Supertalent Freiburg

„Einfach dabeigewesen sein“

Das Supertalent war in der Stadt - und brachte großes Staunen mit sich.

 Dass ein Team der großen RTL-Castingshow gestern im Novotel am Konzerthaus nach neuen Talenten suchte, hatte sich herumgesprochen. Punkt zwölf Uhr reihten sich die ersten Teilnehmer in der Schlange vor dem Hotel ein, bis 20 Uhr ließ das Produktionsteam neue Kandidaten casten - Zeit für Pausen gab es kaum. Talente scheint‘s in Freiburg einige zu geben: 


Ich sehe mich nachmittags im Novotel um und treffe Tänzer, Sänger, noch mehr Tänzer, noch mehr Sänger. Chiara zum Beispiel, eine elfjährige Freiburgerin die gerne Flamenco tanzt - und das auch wirklich kann, wie sie vergangenes Jahr auf der ZMF-Bühne beim Spontantanz mit den Gipsy Kings beweisen durfte. Für die RTL-Jury - ein Team aus Redakteuren - hat‘s aber nicht gereicht.

Sowieso waren genau diese Worte gestern Nachmittag die wohl am häufigsten zitierten. Kevin Dürr, talentierter 25-jähriger Komiker (oft bei Poetry Slams zu hören, war zuletzt gestern Abend im The Great Räng Teng Teng zu sehen) - „für Dich hat es heute leider nicht gereicht“. Tiziano Damigella, 19-jähriger Straßentänzer aus dem Odenwald, kam nach Freiburg um seine in der Szene nicht ganz unbekannten Kumpels anzufeiern, tanzte zuletzt selbst vor der Jury - keiner Jungs kam gestern weiter. Laura Beuchling, 23-jährige Freiburgerin, zweifache Mama, kam ins Novotel um „Ja“ von Silbermond zu singen, mit dem sie schon bei ihrer eigenen Hochzeit den Bräutigam und die Hochzeitsgäste zu Tränen rührte - von der Jury gab‘s Applaus, aber trotzdem eine Absage.

Und dann war da noch Benjamin Bakaus, 27 Jahre alt, nach einem schweren Verkehrsunfall im Jahr 1997 teilweise gelähmt. Die Ärzte sagte dem damals Siebenjährigen voraus, er würde nie wieder sprechen können, auch nicht gehen. Heute spricht Benjamin deutsch, englisch, chinesisch und hebräisch, spaziert fast täglich durch die von ihm sehr geliebte Freiburger Innenstadt, klettert gerne in Boulder-Hallen - und singt. Klingt nach einem klassischen Supertalent-Herzschmerz-Kandidaten? Benjamin Bakaus aber lacht, vor allem über sich selbst. „Meine Eltern, meine Freundin, alle sagen, ich blamiere mich nur, wenn ich da vorsinge.“ Er selbst gibt an zu wissen, dass er absolut nicht singen kann. Aber er sei es gewohnt, dass Menschen ihn auslachen. „Das ist mir egal. Ich wollte nur mal mitmachen und einfach selbst dabei gewesen sein!“ Ziel erreicht, Mission erfüllt.


Bild 2: Casting-Stimmung im Novotel: Kevin Dürr, Madeleine Kipp und Tiziano Damigella (von rechts) kurz vor ihrem großen Casting-Auftritt. 


Bild 3: Casting-Stimmung im Novotel: Benjamin Bakaus kurz vor seinem großen Casting-Auftritt. Bilder: Tieso

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