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„Außergewöhnlich enge Beziehung“

Isfahans Bürgermeister Mortéza Saghaiannejad über die Städtepartnerschaft mit Freiburg

(sk). Freiburg unterhält als einzige deutsche Stadt eine Partnerschaft zu einer iranischen Stadt. Isfahan zählt mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern nicht nur zu den schönsten und ältesten, sondern auch zu den vielfältigsten Städten des Iran. Der Lebensstandard und das kulturelle Angebot liegen weit über dem iranischen Durchschnitt. Die 1950 gegründete Universität mit derzeit 92.000 Studenten ist berühmt, zudem ist Isfahan einer der wichtigsten Industriestandorte des Iran und ein berühmtes Touristenzentrum. Mit der Wahl des damaligen Präsidenten Ahmadinedschad wurden die Beziehungen zum Iran auf internationaler Ebene zunehmend belastet. Von 2005 bis 2013 gab es deshalb keinen Besuch politischer Repräsentanten aus Freiburg im Iran und in Isfahan. Aufgrund der sich verändernden politischen Lage mit der Wahl des als gemäßigter geltenden Hassan Rohani zum Präsidenten fand im Oktober 2014 ein offizieller Besuch von OB Dieter Salomon in Isfahan statt. Rohani wurde bei den jüngst stattfindenden iranischen Wahlen im Amt bestätigt. Die direkten Kontakte zwischen den Städten sowie im bürgerschaftlichen, kulturellen, universitären und sportlichen Bereich blieben von politischen Differenzen unberührt und haben sich intensiviert. Trotz der schwierigen politischen Lage zähle die seit dem Jahr 2000 bestehende Partnerschaft mit Isfahan „zu einer der lebendigsten und kreativsten“, wie die Stadt mitteilte.


„Isfahan ist die Hälfte der Welt“, sagt ein persisches Sprichwort. Bürgermeister Mortéza Saghaiannejad ist nicht nur stolz auf seine Stadt, sondern auch auf die Partnerschaft mit Freiburg. 


SK: Worin besteht die Partnerschaft zwischen Isfahan und Freiburg hauptsächlich? 


Saghaiannejad: Wir sprechen über zwei Städte, die sehr alte Wurzeln haben. Isfahan war in vier Epochen die Hauptstadt unseres Landes. Wir sind uns unserer Geschichte bewusst, schauen aber auch in die Zukunft. Auf dieser Basis wollen wir eine ernstzunehmende Rolle als Partnerstadt spielen. Eine treue, loyale Partnerstadt ist Freiburg. Natürlich haben wir politische und soziale Differenzen, aber das erleben wir unter verschiedenen Ländern in der Welt. Unsere diplomatische Beziehung zu Freiburg war von Anfang an ein eng und freundlich. Wir vertrauen und mögen uns sehr. Dankenswerter Weise haben einige Iraner aus Deutschland die Einführung dieser Partnerschaft organisiert, die dann im Jahr 2000 besiegelt wurde. Die seither regelmäßig organisierten Reisen in beide Städte hat etwa die wissenschaftlichen Verbindungen unter Studenten und Dozenten geprägt und die Beziehung im Arbeitsund Handlungsbereich verstärkt. 


SK: Welche Vorteile bringt die Partnerschaft für die Beteiligten? 


Saghaiannejad: Jede Stadt hat eine Geschichte. Städte sind wie Lebewesen: Sie haben einen Leib und eine Seele, sie haben ein Gesicht und einen Geist. Da die Städte leben, brauchen sie unbedingt Gefährten. Hierbei sollen die Erfahrungen, Kompetenzen und Potenziale ausgetauscht werden. Dies dient zur Vertiefung und Verbesserung der Beziehungen. Freiburg hat sehr gute Potenziale, Isfahan auch. Wenn die Potenziale übertragen, die Verhältnisse unter den Bürgern vertieft werden, kann das für beide Seiten von Vorteil sein. 


SK: Wie nahe sind sich Freiburg und Isfahan? 


Saghaiannejad: Die meisten Partnerschaftsverträge sind unpraktisch und vielmehr ein formales Abkommen. Aber was zwischen uns und Freiburg ist, ist anders. Wir sind zwei Seelen in einem Leib. Wir haben eine außergewöhnlich enge Beziehung. Die Beziehung ist soweit verschmolzen, dass die Isfahaner sich als Freiburger verstehen und umgekehrt. Auch Betriebe und NGOs kooperieren in partnerschaftlichen Verhältnissen. Es ist nicht mehr eine formelle Beziehung, sie ist praktisch geworden. Wir haben gemeinsame Projekte, sprechen über neue Herausforderungen und geben uns gegenseitig Ratschläge. Das alles ist mehrere Stufen höher als andere Partnerschaftsverträge dieser Erde. 


SK: Was ist die Besonderheit dieser Partnerschaft? 


Saghaiannejad: Isfahan ist eine historische Weltstadt mit tiefen Wurzeln. Ihre Geschichte reicht über tausende von Jahren. Sie ist das Gebiet von vielen Stämmen und Religionen. Heute leben unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und deren Religionen friedlich und tolerant Seite an Seite. Solche Situationen gibt es auch in Freiburg. Das stärkt das Zwischenmenschliche untereinander. Genau wie unsere Seidenstraße: Diese wurde vor tausend Jahren aus geschäftlichen Gründen erbaut. Nach und nach tauchten vermehrt touristische, soziale und kulturelle Elemente auf. Exakt das ist zwischen Isfahan und Freiburg geschehen. Wir veranstalten interkulturelle Wochen, tauschen Musiker aus und verbinden Theatergruppen. Es ist also eine gegenseitige kulturelle Befruchtung. 


SK: Was für konkrete Erinnerungen haben Sie an die Partnerschaft - und an Ihr Freiburger Pendant Dieter Salomon? 


Saghaiannejad: Sehr schöne. In den Tagen, an denen Freiburgs Oberbürgermeister in Isfahan war, hatten wir viele wertvolle Besprechungen. Ich denke mir, dass der schönste Tag, den wir miteinander verbracht haben, seine Besichtigung unseres traditionellen Sportes „Zurkhane“ war. Denn der Sport ist einzigartig und gehört zu Isfahan. Dieter Salomon hat es förmlich genossen, ein Teil der Veranstaltung zu sein. Am Tag, an dem der „Naghal“, der Mann, der mit Musik und Singen die Sportler begeistert und aus dem Iran und dessen Mythen und Legenden erzählt hat, haben wir in Oberbürgermeister Salomon ein großes Interesse geweckt. Ich kann es nur wiederholen: Die beiden wunderschönen Städte sind mit der gemeinsamen Geschichte stark verwurzelt - und ich hoffe innigst und glaube, dass auch dieses Interview bei der Fortsetzung dieser schönen Partnerschaft behilflich sein wird. 


Mit Mortéza Saghaiannejad sprach Bülent Gençdemir

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