Besser geschützt vor gefälschten Medikamenten

Besser geschützt vor gefälschten Medikamenten –daran erkennt man den neuen Schutz

Seit 9. Februar 2019
treffen in den Apotheken immer mehr Medikamente mit veränderten Packungen ein.
Nach und nach werden nahezu alle verschreibungspflichtigen Medikamente in
dieser Weise umgestellt – Blutdrucksenker und Insulinpens ebenso wie
Antibabypillen. Das sorgt für einen noch besseren Schutz vor gefälschten
Medikamenten.

Arzneimittelfälschungen haben es zwar auch
bisher schon nur selten in die Apotheken geschafft, dank zahlreicher Kontrollen
von Herstellern, Großhändlern, Apotheken, Kliniken und Behörden. Doch jeder
Fall ist einer zuviel – deshalb nun das neue, zusätzliche Schutzsystem.

Drei neue Merkmale
erhöhen den Schutz

1. Jede neue
Arzneimittelpackung trägt nun einen kleinen quadratischen Code – einen Data Matrix Code ähnlich einem QR-Code. Das Apothekenpersonal
scannt ihn ein und gibt die Packung erst heraus, wenn der Computer „grünes
Licht“ dafür gegeben hat.

2. Wer genauer
hinsieht, bemerkt auch die individuelle
Packungsnummer(abgekürzt mit SN) aus bis zu 20 Ziffern und Buchstaben. Sie
macht jede Schachtel zu einem Einzelstück, denn keine andere Packung trägt die
gleiche Nummer. Diese Nummer steckt auch verschlüsselt im Data Matrix Code.

3. Zudem besitzt jede
neue Packung einen Erstöffnungsschutz,
durch den man sie nicht mehr unbemerkt öffnen kann. Denn ihre Laschen sind
verklebt oder mit einem Kunststoffsiegel gesichert; oder die Packung muss an
einer Perforationslinie oder auf noch andere Weise geöffnet werden.

Diese neuen
Sicherheitsmerkmale zeigt das Foto einer fiktiven Musterpackung (ein Medikament
namens „Tripapolon“ gibt es in Wirklichkeit nicht).

So funktioniert der Schutz vor Fälschungen

Die Arzneimittelhersteller speichern sämtliche Packungsnummern, die sie auf
Medikamente gedruckt haben, in einer geschützten Datenbank im sogenannten
securPharm-System ab; an dieses System sind auch die Großhändler, Apotheken und
Kliniken angeschlossen. Scannt dann das Apothekenpersonal eine bestimmte
Packung, wird deren Packungsnummer mit allen gespeicherten Nummern verglichen.
Ist sie bekannt und als noch nicht abgegeben verzeichnet, gibt das System
„grünes Licht“. Ist die Nummer hingegen unbekannt, oder weiß das System, dass
sie schon einmal auf einer anderen Packung stand, schaltet in der Apotheke gewissermaßen
die Ampel auf rot: Diese Packung nicht abgeben!.

Fälschern kann es so
kaum gelingen, unbemerkt zu bleiben: Würden sie eine echte Nummer kopieren,
diese auf 10.000 Packungen drucken und die dann irgendwie in die legale
Lieferkette schmuggeln, flöge das spätestens bei Abgabe der zweiten Packung in
einer Apotheke auf. Oder auch dann, wenn die Packungen einem
Arzneimittel-Großhändlern angeboten werden.

Die Umstellung auf die neuen Packungen wird viele Monate in Anspruch nehmen. Die bisherigen Packungen
bleiben bis zum Ende ihrer Haltbarkeit weiter verkaufsfähig und verwendbar.

Hintergrund

Wer den Data Matrix Code mit einer üblichen Handy-App zum Code-Scannen liest, stellt fest, dass er
vier Angaben enthält, die auch in Klarschrift auf der Arzneimittelpackung
stehen:

- PC: der Product Code (er sagt, um welches Medikament es sich handelt);

- SN: die individuelle Packungsnummer aus bis zu 20 Ziffern und Buchstaben;

- Ch.-B.: die Bezeichnung der Produktionscharge, zu der die Packung gehört;

- verwendbar
bis: der letzte Monat, in dem das Medikament noch verwendet werden kann.

Privatpersonen können die Echtheitprüfung nicht selbst durchführen. Doch das Apothekenpersonal kann
nötigenfalls eine Packung ein weiteres Mal mit dem securPharm-System
überprüfen.

Umgestellt wird auch bei unseren europäischen Nachbarn: Alle EU-Länder außer Italien und
Griechenland (sie folgen bis 2025) machen mit; sogar Großbritannien. Zusätzlich
sind Norwegen, Island und Liechtenstein dabei; und die Schweiz dürfte folgen.
Legale Versandapotheken, die aus dem Ausland heraus deutsche Patienten
beliefern, sind über das jeweilige Sicherheitssystem ihres Heimatlandes
angebunden.

Die politische Initiative dazu kam von der Europäischen Union. Das ist ein gutes Beispiel
dafür, wie sich die EU für die Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger
einsetzt. Verwirklicht wurde das securPharm-System durch die gemeinsame Arbeit
von Pharmaindustrie, Großhandel und Apotheken in Abstimmung mit den Behörden.

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