Bösewicht?

Bösewicht?

Der Wolf ist ein Tier, das den Menschen bewegt und fasziniert.

Und was hat er Jung wie Alt in den letzten Jahrhunderten beschäftigt und inspiriert: Gedichte, Bilder, Lieder, Märchen – fast schon dankbar spielt er die Rolle des Bösen. Praktisch ausgerottet aus der heimischen Natur ist er in letzter Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten. Da taucht er plötzlich wieder auf! Von Niedersachsen bis nach Stockach. Gesehen in Überlingen. In Bad Dürrheim. Und dann: Tot im Schluchsee. Der Mensch hat die Dinge gerne unter Kontrolle, und vor allem möchte er nicht in freier Natur von irgendwelchen wilden Tieren angefallen werden. Die Geschichten, die über hunderte von Jahren entstanden und aufgebaut wurden, sie wirken offensichtlich immer noch. In einer immer mehr vom Menschen geprägten und gestalteten Natur haben Tiere nur dann Platz, wenn man sie melken kann – im wörtlichen Sinn oder finanziell. Wer diese Idylle stört, hat keinen Platz. Während Vögel vermisst werden, fehlt der Wolf nicht. Es wird vermutlich auch im Zeitalter des Internets eine lange Zeit brauchen, um die alten Geschichten vom bösen Isegrim zu verdrängen und durch neue zu ersetzen. Die von der intakten Natur, in der jedes Lebewesen seinen Sinn und seinen Platz hat zum Beispiel. Es ist zu befürchten, dass der Wolf es nie wieder leicht haben wird, sich im Schwarzwald anzusiedeln.

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