Bülent Gencdemir Tel Aviv Jafo Freiburg

Bunt, tolerant, pulsierend!

Folge 11

Bülent Gençdemir über seinen Besuch in Freiburgs Partnerstadt Tel Aviv

Nun voll bepackt und dick eingekleidet flog ich nach Israel. Ich landete pünktlich im warmen Tel Aviv und durfte mich erst einmal aus meinen Wintersachen am Flughafen befreien. 

Mit dem Fahrzeug ging es anschließend ins nahe gelegene Hotel in die Stadt, um mich für die anstehenden Dreharbeiten startklar zu machen. Wir fuhren durch die bunteste Stadt des Landes, wie man mir sagte - und was ich sofort gerne glaubte. Hier musste ich drehen, hier wollte ich alles mit meiner Kamera festhalten.
Denn die Menschen waren anders als sonst. In dieser Stadt bildeten Juden, Christen und Moslems eine Einheit - beinahe jedenfalls... Natürlich war es unmöglich, die hebräischen Schriften zu deuten, ich konnte mich aber dennoch an den Gegebenheiten des Straßenlebens orientieren.
Rabbis wenige Meter neben freizügiger Moderne, Gegensätze prägten die Straßen. Tel Aviv hatte aber noch weitaus mehr zu bieten: Das Museum in der City war nur eine der vielen Möglichkeiten. Hier erfuhr ich die Entstehungsgeschichte des jungen Landes und vielerlei Hintergründe zur Gesellschaftspolitik. Im Gespräch mit der Leitung war eine Toleranz der unterschiedlichen Religionen sichtbar.
Der Freizeitwert ist enorm hoch: Tel Aviv verfügt nicht nur über ein hervorragendes Badeklima, es verfügt auch über die Möglichkeit, dies ideal zu nutzen: am Strand der Stadt. Zahlreiche Menschen waren hierher gekommen, um sich in der Sonne am sandigen Strand zu bräunen. Das Wasser kristallblau, soweit das Auge reichte. Schade, dass ich zwischen meinen Winterklamotten die Badehose nicht dabeihatte... Meinen persönlichen kulinarischen Favoriten habe ich in den Datteln gefunden. Da ich leidenschaftlicher Dattel-Esser bin, halte ich mich für einen mehr oder weniger großen Experten dieser köstlichen Frucht. Hier bekam ich die besten Datteln, die ich jemals probieren durfte. Sie waren groß, fleischig und angenehm zart wie süß.
Allein dieser Geschmack, der mir bis heute nicht mehr aus dem Gaumen geht, würde mich schon zu einem weiteren Besuch animieren. Aber natürlich ist es beileibe nicht nur das...
Künstlerische Graffiti-Künste zierten einen kleinen Stadtteil. Hier war es schon fast grotesk, keine Wand in Farbe getränkt zu haben. Graffiti war hier einfach Pflicht - Kunst statt bloßer Schmiererei.
Tel Aviv gilt als modernste, als toleranteste Stadt Israels - auch in sexueller Hinsicht. Homosexualität wird ausnahmslos akzeptiert - und das nicht nur per Gesetz. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind für Jung und Alt akzeptiert und gehören zum Stadtbild dazu. Selbst Grabsteine erinnern daran.
Die Israelis können daher nicht nur mit ihrer bunten Mischung punkten, sie können auch ordentlich feiern, ohne auf die Zeit zu sehen, und das jeden Abend bis in die Puppen.
Eine Sache geht mir jedoch nicht mehr aus dem Kopf: Das sind die schönen jungen Damen in Abendkleidung, die – angesicht der Wehrpflicht beider Geschlechter - ihre Waffen mittragen, um das ganz normale Leben in der eigentlichen Hauptstadt in ihrer vollen Pracht zu genießen. Das erinnerte mich immer wieder daran, dass wir uns auch politisch in einer ganz besonderen Stadt, in einem ganz besonderen Land befanden.
Viele Städte sind eine Reise wert - für Tel Aviv möchte ich das jedoch in besonderem Maße jedem ans Herz legen.

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