Stadtjubiläum Freiburg

Dann halt drei Millionen...

Wie die Stadt nun das 900-jährige Jubiläum Freiburgs 2020 feiern will

Was wohl Konrad von Zähringen dazu gesagt hätte? Der Bruder des damals herrschenden Herzogs Bertold III. hatte im Jahr 1120 das Marktrecht auf Freiburger Boden gewährt. 897 Jahre später: Ein veritabler Streit um die vor allem finanzielle Art und Weise, in der das 900-jährige Stadtjubiläum gefeiert werden soll. Immerhin herrschte nun am Dienstagabend weit gehende Einigkeit im Gemeinderat, als beschlossen wurde: Nicht wie ursprünglich vorgesehen neun Millionen Euro, sondern drei Millionen soll das 2020 auszurichtende Fest kosten. Letztlich wurde dies mit fünf Gegenstimmen bei drei Enthaltungen beschlossen.

2015 hatte man noch in größerem Stil geplant: Die scheidende Theater-Intendantin Barbara Mundel war zur Kuratorin für das 900-jährige Jubiläum ernannt worden, ein Arbeitsvertrag für dieses Themenfeld wurde damals nicht unterzeichnet. Auch gab es keine festgelegte finanzielle Obergrenze, obwohl etwa die Zahlen der Karlsruher Feierlichkeiten zum 300-jährigen Jubiläum in Höhe von zunächst zwölf, später sogar 19 Millionen Euro im Umlauf waren.
Mundel jedenfalls nahm sich vor, einen „intellektuellen Prozess über die Zukunft Freiburgs“ mit dem Jubiläum verbinden zu wollen — ein anspruchsvolles Programm, bei dem sich im Februar herausstellte, dass es ungefähr neun Millionen Euro kosten würde. Darunter etwa das renommierte „Theater der Welt“, dessen Verpflichtung irgendwo in der Nähe von summa summarum einer Million Euro gelegen hätte. Die Ratsmehrheit aus Grünen, CDU und SPD zog — die angespannte Haushaltslage vor Augen — beim Neun-Millionen-Etat die Notbremse. Die verärgerte Mundel zeigte sich über die Art und Weise der Ablehnung pikiert und betonte, sie vermisse eine inhaltliche Debatte.
Nun also die am Dienstag beschlossene Drittelung des Betrages. Vermutlich wird das Jubiläum nicht nur billiger, sondern auch kürzer ausfallen. Einige der grundsätzlichen Anregungen Mundels könnten jedoch für die weitere Planung verwendet werden, sagte für die CDU-Fraktion Stadträtin Carolin Jenkner. Deutlicher gab sich der erboste Atai Keller (Unabhängige Listen), der sich schon im Februar über den Planungsstopp mächtig geärgert hatte und das Ganze nun ein „beispielloses Kulturdesaster“ nannte.
Wie die Feierlichkeiten denn nun genau ablaufen sollen, ist noch offen. In den kommenden Monaten soll das Rathaus mit dem Drei-Millionen-Etat ein Konzept erarbeiten — und zwar „in Abstimmung mit den Fraktionen“, wie bekannt gegeben wurde. Barbara Mundel dürfte dafür eher nicht mehr zur Verfügung stehen.
Dass es übrigens noch weitaus günstiger geht, zeigten die Feierlichkeiten zum 875-jährigen Freiburg-Jubiläum im Jahr 1995. Damals am Start:Ein Umzug, an dem unter anderem die Metzgerinnung auf der Kaiser-Joseph-Straße badische Wurstspezialitäten präsentierte. Kostenpunkt des Ganzen: 500.000 D-Mark... 


Autor: Stefan Ummenhofer

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