Eliav Blizowsky Tel Aviv

„Das Gefühl von Freundschaft“

Eliav Blizowsky aus Tel Aviv über die besonderen Beziehungen zu Freiburg

Aus dem Israelischen ins Deutsche übersetzt von Beatrix Kirchhofes.


(sk). Tel Aviv, seit dem Jahr 2015 Partnerstadt von Freiburg, ist das Finanzzentrum Israel und Sitz der einzigen Börse des Landes. Es wird stark durch den Dienstleistungssektor bestimmt. 


Tel Aviv hat seinen Ursprung in der Stadt Jaffa, die etwa 3.500 v. Chr. errichtet wurde und älteste Stadt des Landes ist. In der Altstadt Jaffas finden sich noch heute zahlreiche restaurierte Steingebäude aus der osmanischen Periode, die zu einem Künstlerviertel gehören und ein Touristenzentrum bilden.
Am 14. Mai 1948 rief David Ben-Gurion in Tel Aviv den Staat Israel aus. Im Jahr 1950 wurden die Städte Tel Aviv und Jaffa (Yafo) vereint. Heute ist Tel Aviv-Yafo eine Metropole mit 430.000 Einwohnern.


Die „Weiße Stadt”, ein besonderes Kennzeichen Tel Avivs und UNESCO-Weltkulturerbe, besteht aus mehr als 4.000 Häusern, die in den 1930er Jahren überwiegend im Bauhaus-Stil errichtet wurden. Die Architekten waren zum größten Teil deutschstämmige Juden, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 Deutschland Richtung Israel verlassen hatten.


In Tel Aviv gibt es zahlreiche Museen, das größte unter ihnen ist das „Tel Aviv Museum of Art“. Weltberühmt ist die Ausgeh- und Draußen-Kultur der Stadt: Tagsüber tummeln sich die Menschen in Cafés, abends beginnt in den zahllosen Bars und Clubs das Nachtleben – Tel Aviv kennt keine Sperrstunde.


Die Beziehung zwischen Tel Aviv und Freiburg ist in mehrfacher Hinsicht eine besondere, wie Eliav Blizowsky, der Verantwortliche für internationale Kontakte in der israelischen Stadt, im Interview betonte.


SK: Woraus besteht die Partnerschaft genau? 


Blizowsky: Die Verbindung mit der Stadt Freiburg ist eine sehr starke Beziehung - vor allem durch die Dinge, die Freiburg als grüne Stadt auszeichnen, und als das Zentrum der Entwicklung der Solarenergie. Wir versuchen, die Erfahrung und das Wissen, das die Stadt Freiburg hat, zu nutzen. Außerdem gibt es einen Austausch in den Bereichen Sport und Kultur. Und zusätzlich noch eine sehr wichtige Sache: Wir haben die Ehre, dass ein Forum von 15 großen Städten hier in Tel Aviv einen Freundschaftsvertrag unterschrieben hat: Federführend war der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon. 


SK: Was sind die Vorteile für die Städte bei solchen Partnerschaften? 


Blizowsky: Die Vorteile sind, dass im Allgemeinen alle großen Städte auf der Welt die selben Problemen zu bewältigen versuchen: Diese liegen in den Bereichen Verkehr, Energie, Lebenshaltungskosten, Verbesserung der Lebensqualität und die öffentliche Beteiligung der Bevölkerung. Hier gibt es viele Erfahrungen, die man austauschen kann. Dazu kommt, dass in Freiburg das Thema Nachhaltigkeit groß geschrieben wird. Fahrradfahren wäre eine der Lösungen für Tel Aviv in Bezug auf Luftverschmutzung, aber auch im Bezug auf die Verringerung der Verkehrsdichte und der Staus. Und: Wir möchten die Solarenergie auch in öffentlichen Einrichtungen installieren. Wir haben Unterstützung aus Freiburg bekommen, welche uns geholfen hat, die Menschen zu überzeugen, Solarenergie einzurichten. 


SK: Wie kam es zur Partnerschaft zwischen Freiburg und Tel Aviv? 


Blizowsky: Der Anfang war sehr beschwerlich. Im Jahr 2005 hatte ich die Ehre, Freiburg zu besuchen. Bis dahin kannte hier keiner Freiburg. Ich brachte mein erworbenes Wissen bei uns ein. Welche Verbindung mir sehr geholfen hat, ist der Freundeskreis Freiburg – Tel Aviv – Yafo, dessen Leitung damals Johannes Reiner inne hatte, dessen Nachfolgerin Eva Opitz ist. Durch deren Engagement entstand die Zusammenarbeit. Ich weiß, dass Freiburg auch Isfahan im Iran als Partnerstadt hat: Zu unserem großen Bedauern ist der Iran unser Feind und möchte den Staat Israel vernichten. Trotzdem haben wir gesagt, wir bringen die Verbindung zwischen Freiburg und Tel Aviv – Yafo voran, dies ist sehr wichtig für beide Städte. 


SK: Was ist dann passiert? 


Blizowsky: Aufgrund der bestehenden Aktivitäten haben wir uns entschieden, 2015 einen Freundschaftsvertrag zu unterschreiben. Seitdem haben wir mit Freiburg eine sehr gute und aktive Zusammenarbeit, die weiter ausgebaut wird. Immer, wenn wir einladen, ist der erste, der kommt und sich darüber freut, Freiburgs Oberbürgermeister. Die Freundschaft hat noch einen Effekt: Es kam auch eine Delegation von älteren Menschen, was die zwischenmenschlichen Beziehungen stärkt. 


SK: Wie würden Sie die Einzigartigkeit dieser Partnerschaft beschreiben? 


Blizowsky: Die Einzigartigkeit ist, dass Freiburg kleiner ist als unsere anderen Partnerstädte, aber die Zusammenarbeit und der Austausch von Wissen und die Themen, die wir zusammen bearbeiten - all das geschieht auf einem sehr hohen Niveau. Dazu kommt, dass die Aktivität des Freundeskreises sehr intensiv ist und sie immer wieder mit neuen Ideen kommen.


SK: Wie gefällt Ihnen Freiburg? 


Blizowsky: Freiburg ist eine fantastische Stadt. Ich erinnere mich, dass ich in den frühen Morgenstunden, noch bevor die Leute aufgewacht sind, zu Fuß gegangen bin, und ich habe die gute Luft genossen. Ich bin auch auf die Berge um Freiburg herum gestiegen. Die Stadt gibt einem das Gefühl von Freundschaft, von Spaß, sie ist eine junge Stadt mit warmen, netten Menschen. Die Stadt Freiburg passt zu Tel Aviv, da sie wärmer ist als viele andere Städte in Deutschland - nicht nur in Bezug auf die physische Temperatur, sondern auch im Bezug auf die Menschen.

Das Gespräch führte
Bülent Gençdemir

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