Der Coup des Martin Horn

Der Coup des Martin Horn

Freude beim Wahlsieger nach dem deutlichen Erfolg am Sonntag

Dass der Sieger des ersten Wahlganges Rückenwind haben würde, war zu erwarten - dass Martin Horn seinen Vorsprung von 3.000 Stimmen am vergangenen Sonntag aber fast auf 12.000 Stimmen ausbauen würde, überraschte selbst die sozialdemokratischen Wahlhelfer des neuen Oberbürgermeisters.
Während der Amtsinhaber („Den Politiker Dieter Salomon gibt es nun nicht mehr“) nach der Abwahl von „Ruhestand“ sprach und bis zur Übergabe am 30. Juni vor allem intern wirken, also wohl keine öffentlichen Termine mehr wahrnehmen wird, ist der 33-jährige Horn vom vereinzelt belächelten Außenseiter zum „Shooting-Star“ mit stolzen 44,2 Prozent im Entscheidungsdurchgang avanciert.
Dem entsprechend ausgelassen war die Horn´sche Wahlparty am Sonntagabend im Friedrichsbau, ehe ein geistig verwirrter 54-Jähriger den designierten OB attackierte und ihm die Nase brach sowie einen Zahn ausschlug. Der Angreifer wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Horn schaut derweil nach vorne, will in den nächsten sechs Wochen aber primär erst einmal seine hochschwangere Frau unterstützen.
„Einer meiner Schwerpunkte als Stadtoberhaupt wird dann der Bau bezahlbarer Wohnungen sein“, verriet er außerdem. „Freude und Dankbarkeit“ empfinde er über das Wahlergebnis, so der gebürtige Pfälzer.
Erfreut zeigte sich auch Monika Stein, die im 2. Wahlgang ihr starkes Ergebnis von 14 Tagen zuvor mit 24,1 Prozent beinahe wieder erreichte. Sie sieht dies als Rückhalt, ihre vor allem auf die soziale Komponente setzende Politik im Gemeinderat fortzuführen. Die von einem linken Bündnis unterstützte 48-Jährige gilt durch ihre Kandidatur jedenfalls als gestärkt.
Gestärkt fühlen sich auch diejenigen politischen Kräfte, die mitgeholfen hatten, dass Martin Horn die Wahl gewann. Die zuletzt bundes- wie landesweit gebeutelte SPD hofft, dass der Coup ihres Kandidaten auch ein Signal darstellt, dass die grün-schwarze Landesregierung trudelt. Ähnlich die FDP: Kreisvorsitzender Hartmut Hanke sagte, Horn sei ein „offener, besonnener und sympathischer“ Mensch. Und: Es bestehe die berechtigte Hoffnung, dass „ein ganz anderer zwischenmenschlicher Umgang zwischen OB, seiner Verwaltung, dem Gemeinderat und der Bevölkerung Einzug hält“. Eine kleine verbale Ohrfeige in Richtung Dieter Salomon also - eine solche verteilte auch der Verein „Freiburg Lebenswert“ (FL), der den Wahlsieger ebenfalls unterstützt hatte: Martin Horn werde „für FL jedenfalls ein seriöserer Gesprächspartner sein für unsere Themen“.
Grüne und CDU, die über die 30,7 Prozent für Salomon dem entsprechend frustriert waren, kündigten derweil an, nicht in einer Schmollecke zu verharren, sondern den konstruktiven Dialog mit dem neuen Oberbürgermeister zu suchen.
Die Freien Wähler zollten Salomon „Respekt und Dank für seine Arbeit der letzten 16 Jahre“ und betonten, sie setzten große Hoffnungen in Martin Horn.
Politisch, so scheint es, ist in Freiburg durch die OB-Wahl einiges in Bewegung geraten. Und in ziemlich genau einem Jahr, am 26. Mai 2019, ist Kommunalwahl...

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