Blinde Stadtplan

Die Stadt ertasten

Sinnvolle Technik: Wie am 3D-Drucker fühlbare Umgebungskarten entstehen

Freiburg verändert sein Gesicht — und das immer schneller. Besonders das Großprojekt Rotteckring. Wie ist jetzt gleich wieder die Verkehrsführung am Siegesdenkmal? Wo ist die Ersatzhaltestelle? Und fahren hier überhaupt Busse und Bahnen? 

Viele Freiburger sind oftmals überfordert vom rasanten Wandel der Stadt. Wie muss es da erst Menschen gehen, die nichts sehen?
Für Abhilfe sorgt da modernste Technik. Am Dienstag, dem „Tag der Sehbehinderten“, präsentierten die Stadtbibliothek und der Blinden- und Sehbehindertenverein (BSV) Südbaden, wie am 3D-Drucker fühlbare Umgebungskarten entstehen.
In der Stadtbibliothek werden am 3D-Drucker dreidimensionale Umgebungskarten erstellt. „Ende 2015 haben wir diesen 3D-Drucker für die Stadtbibliothek angeschafft“, erzählt Bibliothekar Markus Niemeier. Die Büchereibesucher konnten hier Objekte ausdrucken, meistens kleine Spielzeuge oder Objekte. „Einfach, um zu sehen und einmal auszuprobieren, wie so ein 3D Drucker funktioniert.“ Niemeier freut sich über die Zusammenarbeit mit dem BSV. „Das ist wirklich eine sinnvolle Aufgabe für unseren Drucker.“ Die 3D-Technologie eröffnet Blinden und Sehbehinderten neue Wege der Wahrnehmung. Ein Beispiel dafür sind kleine Umgebungskarten, die der 3D-Drucker fühlbar macht, erklärt Mischa Knebel, Geschäftsführer des BSV. Dafür greift die Webseite touch-mapper.org/de auf die freie OSM-Datenbank zu. „Wer auf TouchMapper die Koordinaten eines Standortes eingibt, erhält eine Vorlage für 3D-Drucker. Sie erzeugt ein Abbild der unmittelbaren Umgebung, das als taktile Karte ertastet werden kann und Sehbehinderten bei der Orientierung hilft“. Als Prototypen haben der BSV Südbaden und die Stadtbibliothek bereits einige Ausdrucke erstellt. Unter anderem wurde die aktuelle Baustellensituation an der Ersatzhaltestelle „Siegesdenkmal“ im Maßstab 1:2.000 in 3D ausgedruckt. „Man kann aktuell auf Situationen reagieren“, so Knebel. Auch die Verkehrssituation rund um die Beratungsstelle des BSV in der Wölflinstraße 13 liegt jetzt in einer räumlichen Darstellung bereit. „Wir sind noch in der Orientierungsphase“, betont Knebel. So müsse für die Innenstadt mit ihren verwinkelten Gassen und vielen Häusern ein größerer Maßstab gewählt werden. „Die Fingerkuppen müssen dies ertasten.“ Knebel zeigt auch eine eher ungeeignete Wanderkarte des Rosskopfes. „Das erinnert eher an einen Blutkreislauf.“
Janine Aleksov ist Fachkraft der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation. Das heißt, sie lernt den blinden Menschen, wie sie sich mit dem Stock durch die Stadt bewegen. In ihrer täglichen Arbeit nutzt Aleksov diese 3 D-Karten. Für eine blinde Klientin etwa wurde die VAG-Haltestelle Betzenhauser Torplatz ausgedruckt. „Die Frau kennt sich dort gut aus, lebt schon lange dort. Jetzt wurde der Betzenhausener Torplatz verändert, vieles ist ebenerdiger, teilweise versetzt. Plötzlich wurde sie unsicher, dass sie auf die Straße läuft, wenn sie zur Haltestelle wollte.“ Anhand einer 3D-Karte habe sie die veränderte Situation der Klientin anschaulich verdeutlicht.
„Mit dieser neuen Technik können wir unsere eigenständige Mobilität verbessern. Das ist sehr sinnvoll einsetzbar“, meint Knebel. „Ein Bild sagt eben doch mehr als 1.000 Worte.“
Katrin Hauf

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