Phillip Grimm SOS Projektkaffee Schildkrötenprojekt

Ehrenamtlich Gutes tun

Phillip Grimm lernte Nicaragua lieben - und engagiert sich für den Kaffee

(bge.) Mit der Wasserproblematik in Wiwili hat alles begonnen. Philipp Grimms Auftrag war, das Projekt Bernd Kobersteins in Wiwili abzuschließen. Koberstein wurde in den 80er Jahren während seines Aufenthaltes in Wiwili (Nicaragua) von den Contras ermordet. Und Grimm will Kobersteins Anliegen erfüllen. Er hat der Stadt Wiwili seinen vollen Ehrgeiz versichert, das lange auf Eis liegende Wasser-Projekt abzuschließen. Dort lernte er nicht nur die Menschen und deren Kulturen kennen, er verliebte sich in das südamerikansche Land.


SK: Sie haben sich in Freiburgs nicaraguanischer Partnerstadt Wiwili im Wasserversorgungsprojekt eingebracht. Wie ist denn der Stand?

Grimm: Wir sind mit dem Projekt im August ausgelaufen und ich wurde von der Stadt Freiburg mit der Evaluierung beauftragt. Die Ergebnisse sind toll. Wir haben sogar mehr erreicht, als wir uns auf die Fahne geschrieben haben. Ich bin auch sehr gespannt, wie es weiter gehen wird. Das letzte Mal war ich vor Ort, um Folgeprojekte zu erkunden, und es sieht ganz gut aus.

SK: Was ist bestenfalls möglich?

Grimm: Was gerade in Nicaragua läuft, ist eine Entwicklung, die erkunden soll, was möglich ist. Aus politischen Gründen, aus sozialen Gründen, aber auch aus den Gegebenheiten. Wenn man beispielsweise das Thema Abwasser nimmt: das ist sehr komplex. Wenn man alleine mit 100 Häusern anfängt, dann ist die Abwasserproblematik erst mal nicht gelöst. Da muss man sehr viel integraler anpacken. Es ist auch nicht nur ein Krankenhaus, es ist nicht nur ein Kaffee, sondern viel mehr. Es geht also sozusagen um das große Ganze – eine generelle Verbesserung der Lebensqualität

SK: Wann soll ganz Wiwili endgültig am Wassernetz angeschlossen sein?

Grimm: Trinkwasser ist eine ganz andere Sache als Abwasser. Abwasser wird momentan nicht behandelt, das gibt es einfach noch nicht. Beim Trinkwasser ist es auch schwer zu sagen, da Wiwili selbst im Zentrum des Ortes hier noch Defizite hat. Einen Zeitpunkt kann ich also momentan nicht nennen.

SK: Mit Wasser braut man bekanntlich Kaffee. Ist das der Grund, weshalb Sie den Projektkaffee aus Nicaragua unterstützen wollen?

Grimm: Wasser braucht man für jeden Prozess, genauso auch für die Kaffeewäsche. Kaffee ist ein ganz großes Thema in Nicaragua. Kaffee ist aber auch ein trauriges Thema, weil sich in den letzten Jahrhunderten stets auch der Kolonialismus daran bereichert hat. Wir versuchen mit dem Kaffee-Projekt Fair Trade – Kaffee für ein faires Gehalt in Nicaragua. Der Kaffee kommt aus Jinotega aus einer Frauenkooperative. Wir beziehen den Grano Moreno direkt aus Jinotega.

SK: Hat das Land durch die Arbeit wirkliche Vorteile?

Grimm: Natürlich. Was bislang wirklich in dem Land aus dem Kaffeegeschäft zurück blieb, war nicht ansatzweise fair. Das war der Punkt, wo wir uns sagten, dass wir uns für dieses Projekt stark machen sollten. Die sinnvollste Möglichkeit bot uns SOS Nicaragua. Somit gehen jetzt von einem Kilo Kaffee fünf Euro an die Organisation SOS Nicaragua, speziell an ein Schildkrötenprojekt in Padre Ramos, in dem es hauptsächlich um die Arterhaltung geht. Die Schildkröte ist vom Aussterben bedroht und das ist tatsächlich eines der wichtigsten Projekte an der Pazifikregion.

SK: Sie sind bereits mit zweierlei Hilfsaktionen für Nicaragua vertreten. Haben Sie ein stark ausgeprägtes Helfersyndrom?

Grimm: Nicaragua zu unterstützen, ist ein Herzenswunsch. Ich habe von den Menschen vor Ort sehr viel erfahren, da wollte ich einfach was zurückgeben. Ich bekomme dafür nichts. Mein Lohn ist der Stolz, wenn ich im nächsten Jahr vorbei schaue und sehe, dass alle Einheimischen noch fest angestellt sind. Diese Menschen werden dadurch finanziert.

SK: Was macht den Kaffee besonders im Vergleich zu dem Kaffee, den wir in Deutschland kennen?

Grimm: An dem Kaffee sind mehrere Sachen besonders. Erstens hat er in der internationalen Bewertung überdurchschnittlich abgeschnitten. Nebenbei ist die Frauenkooperative eine Besonderheit, die ich für sehr wichtig halte, weil es in Nicaragua immer noch ziemlich schwierig ist, sich als Frau selbstständig zu machen.

SK: Woher beziehe ich den Kaffee, falls ich den möchte? Kann ich den in Freiburg im Laden kaufen?

Grimm: Das wäre natürlich wünschenswert. Wenn jemand in Freiburg oder ein Cafélokal unseren Kaffee beziehen möchte, dann ist das leicht möglich. Auf unserer Homepage www.grano-moreno.de kann man den ersten Kontakt herstellen.

SK: Gibt es schon einen Vertrieb?

Grimm: Nicht wirklich. Wir suchen noch nach einer geeigneten Spendenform.

SK: Was hat Philipp Grimm noch vor?

Grimm: Wie es genau weiter geht, das möchte ich mir noch offen halten. Ich möchte weiterhin so flexibel bleiben, wie ich es jetzt bin. Das Land Nicaragua hätte ich schon gerne als feste Basis. Ich bin mir sicher, viele weitere Projekte warten noch auf mich - es gibt immer genug zu tun...


Das Interview führte Bülent Gençdemir

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