Fessenheim

Eiertanz vor Ostern

Hoffnung auf Stilllegung des AKW Fessenheim — oder doch nicht?

Es ist ein Hin und Her, dass einem schwindlig werden könnte. Ständig gibt es neue Nachrichten rund um das umstrittene Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim, doch wirklich Endgültiges ist auch nach dem Dekret der französischen Umweltministerin Ségolène Royal vom Sonntag nicht gewiss. Die Sozialistin hatte angekündigt, das 25 Kilometer von Freiburg entfernt gelegene Kraftwerk im Jahr 2018 abzuschalten.

Landes-Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) war von dem Dekret weniger begeistert als manch anderer: Das Abschalten des Kraftwerkes sei durch das Dekret keineswegs näher gerückt. „Es ist so formuliert, dass es den Betrieb von Fessenheim auf Jahre hinaus zementiert“, so der Minister.
Der Energiekonzern EDF als Betreiber hatte wenige Tage zuvor einer solchen Schließung nur zugestimmt, wenn der Europäische Druckwasserreaktor in Flamanville am Ärmelkanal ans Netz gegangen sei. Dies jedoch dürfte erst 2019 der Fall sein — frühestens, da beim Bau dieses Reaktors immer wieder Schwierigkeiten auftreten... Der scheidende französische Präsident Francois Hollande hatte bei seinem Amtsantritt hingegen eine Schließung Fessenheims bis Ende 2016 verkündet.
So homogen wie das Meinungsbild in Deutschland ist Frankreich in Bezug auf das immer wieder durch Pannen aufgefallene Kraftwerk übrigens nicht: Vergangenes Wochenende demonstrierten in Paris wieder französische Gewerkschaften — und zwar gegen eine geplante Stilllegung.
In Deutschland, zumal in Südbaden, gibt es hingegen eine breite Front gegen das in einem Erdbebengebiet stehende Kraftwerk: „Was die französische Regierung und der Energiekonzern EdF vorführen, ist ein Spiel auf Zeit mit hohem atomaren Risiko“, drückt es Umweltminister Untersteller aus. Und wie es den Anschein hat, ist dieses Spiel noch nicht vorbei. Zumal die anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich die Karten wieder neu mischen könnten...

Autor: Stefan Ummenhofer

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