Freiburg Tourismus

Es geht noch besser

Freiburgs Tourismus boomt — und doch gibt es Handlungsbedarf

Es ist Ferienzeit — das merkt man auch an den vielen Gästen aus dem In- und Ausland in Freiburg. „Tourismus ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Stadt“, betont Erster Bürgermeister Otto Neideck. FWTM-Geschäftsführer Bernd Dallmann kann dies an Zahlen eindrücklich bestätigen: „Seit 1987 sind die Übernachtungen und Ankünfte von 600.000 auf 1,4 Millionen gestiegen.“ Das Bild Freiburgs nach außen sei geprägt von den Besuchern, die hierher kommen. „Das ist wichtig für unser Image!“ 

Aber es ist noch Luft nach oben: „Wir haben ein hervorragendes Angebot, das es gilt weiterzuentwickeln“, meint Neideck. Denn: „Die Konkurrenz schläft nicht.“ Also wurde das Tourismusberatungsunternehmen Projekt M von der FWTM beauftragt, ein umfassendes Tourismuskonzept zur strategischen Weiterentwicklung zu erstellen. Herausgekommen ist ein vielschichtiges Konzept mit konkreten Handlungsempfehlungen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 87.000 Euro.
Die fünf Kernpunkte beziehungsweise „Erlebniswelten“, die geschärft werden sollen: „Stadterlebnis“, „Green Destination“, „Gesundheit“, „Business Location“ sowie die „Genuss-Triade: Kunst, Kultur und Kulinarik“. Am Entstehungsprozess des Konzeptes waren auch Hoteliers beteiligt. „Es ist wichtig, die Akteure im Tourismus mit ihrer Alltagserfahrung von Anfang an mit im Boot zu haben“, ist Neideck überzeugt.
Aber warum bedarf es überhaupt eines Handlungskonzeptes?
Zum einen sind die Übernachtungszahlen in den letzten Jahren stetig gestiegen. Zum anderen habe sich das Buchungsverhalten enorm verändert. Stichwort Digitalisierung. Hier sieht die FWTM enormen Nachholbedarf. Oder wie es Neideck auf den Punkt bringt: „Das Prospektzeitalter ist zu Ende!“
Auch das Reiseverhalten hätte sich verändert, meint Tourismusdirektorin Franziska Pankow, die das Projekt mit umsetzen wird. „Es geht nicht mehr darum, Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern darum, in ein Lebensgefühl einzutauchen und Geschichten zu erzählen.“ Und Freiburg habe diese Geschichten.
„Die Gäste buchen kurzfristiger und bleiben kürzer“, ergänzt Dallmann. Ein wesentliches Problem für die Hoteliers: „Wir müssen mehr Anreize für die Gäste schaffen, länger hier zu bleiben“, sagt Colombi Hotel-Chefin Kirsten Moser. Hier sieht sie die Stadt in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Verweildauer solle länger werden und besser übers Jahr verteilt. Moser betont, sie habe gerne am Konzept mitgearbeitet. Doch sie übt auch deutliche Kritik, fordert ein klares und nachhaltiges Tourismus-Konzept. Freiburgs Alleinstellungsmerkmale müssten besser betont werden und erinnert daran, dass der Tourismusbeirat erst durch die Problematik mit der Bettensteuer entstanden ist. Die Einnahmen aus der Bettensteuer sollen mit für die Umsetzung der Maßnahmen eingesetzt werden.
Ebenfalls auf Anregung der Hoteliers ließ die FWTM eine Hotelbedarfsanalyse durchführen. „Wir sind der Meinung, dass wir in den nächsten Jahren eine Überkapazität an Hotelbetten bekommen“, warnt Moser. Zwischen 2017 und 2019 wird sich die Anzahl der Hotelbetten sprungartig um 30 Prozent (!) erhöhen.
„Wir können nicht verhindern, dass Hotelketten sich hier ansiedeln“, meint Neideck. „Das ist Wettbewerb.“ Kirsten Moser kritisiert, es sei kein Problem, wenn über Jahre hinweg immer mal wieder ein Hotel eröffne, aber nicht alle auf einen Schlag, wie es jetzt der Fall sei — und über Buchungsportale wählten Touristen eben oftmals diese Ketten.
Die Hotelbedarfsanalyse bescheinigt Freiburg indes einen gesunden Hotelmarkt. Bedarf gebe es in den Bereichen „junges Tagungshotel mit Co-Workingflair, ein Hostel für die Generation Y sowie ein Rad- oder Weinhotel am Stadtrand“.
Der FWTM-Geschäftsführer spricht noch ein weiteres Problem an: „Wieviel Tourismus verträgt die Stadt?“ Nichts sei schlimmer, als wenn sich Touristen nicht mehr willkommen fühlten. Auch die Zielgruppe sei alles andere als einfach auszumachen: „Wir sind vom Altersschnitt eine junge Stadt, aber je älter die Menschen sind, desto lieber wählen sie Freiburg als Reiseziel.“
Die Umsetzung des Tourismuskonzeptes ist also komplex und nicht von heute auf morgen umsetzbar. Ganz im Sinne der „nachhaltigen Tourismusentwicklung“...
Katrin Hauf

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