Nichtrauchertag

Fast schon eine Mission

Was ein Freiburger Nichtraucher gegen den blauen Dunst in Kneipen unternimmt

Die Zahlen sind ebenso imposant wie erschreckend: Laut dem Institut für Suchtforschung der „Frankfurt University of Applied Sciences“ sterben jedes Jahr in Deutschland 110.000 Menschen an der Folge des Rauchens — das wären 300 pro Tag. „Folgeschäden des Rauchens sind die häufigste Todesursache“, so der Frankfurter Wissenschaftler Heino Stöver.

Am gestrigen Mittwoch war der „Welt-Nichtrauchertag“. Grund genug zu fragen: Wie sieht es mit dem Nichtraucherschutz in Freiburg aus?
Nicht gut, wenn man Nichtraucher-Aktivisten befragt. Peter Schulz (Name geändert) ist einer von ihnen. Er ist keiner Organisation wie etwa „Pro Rauchfrei“ angeschlossen, sondern in eigener Sache unterwegs, seit er vor drei Jahren das Rauchen aufgab. Er spricht regelmäßig beispielsweise Raucher außerhalb der dafür vorgesehen Zonen in Bahnhöfen oder an anderen Orten an, was „nicht immer ungefährlich“ sei, wie er meint. „Die Aggression in unserer Gesellschaft nimmt zu...“
Sein besonderes Interesse gilt der Gastronomieszene. Im Jahr 2007 — damals rauchte Schulz noch — wurden in allen Bundesländern Schutzgesetze für Passivraucher verabschiedet. 2013 überarbeitete das Land Baden-Württemberg die Ausführungen und forderte die Kommunen auf, mehr zu kontrollieren. Doch das ist leichter gesagt als getan. Es fehle dafür schlichtweg an Personal, meint man nicht nur in Freiburg. Und so kommt es pro Jahr allenfalls zu einer guten Handvoll von Bußgeldbescheiden gegen Wirte, die gegen das Gesetz verstoßen. Zumal die Wirte selbst gehörig unter Druck stehen, immer zwischen rauchender und nicht rauchender Klientel vermitteln müssen.
In mehr als 50 Freiburger Lokalen darf nach wie vor geraucht werden — zum Teil, weil diese als „Raucherlokale“ deklariert sind. Diese „Einraum-Gaststätten“ dürfen nicht größer als 75 Quadratmeter sein, es dürfen nur „kalte Speisen einfacher Art“ serviert werden — und Jugendliche unter 18 Jahren (oder gar Kinder  müssen draußen bleiben.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, Rauchernebenräume anzumieten. „Das ist oft ein Witz“, erklärt Nichtraucher Schulz. „Ich habe es allein in Freiburg schon mindestens ein Dutzend mal erlebt, dass die Trenntüren zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich offen standen — spätestens, nachdem die Bedienung wieder einmal mit einer Bestellung durch die Tür gegangen ist.“ Und daraufhin, so Schulz, verteile sich der blaue Dunst durch das komplette Lokal. Das bemängele er vor Ort immer wieder — mal mit positiver, nicht selten aber doch eher mit negativer Resonanz...
Während in Kneipen, aber auch in Discotheken immer mal wieder Probleme auftauchen, ist die klassische Speisegastronomie weniger davon betroffen. Hier hat sich die Haltung durchgesetzt, dass man beim Essen auf den Glimmstängel zu verzichten hat. Oder wie es Anna Zaoralek, die Sprecherin des baden-württembergischen Sozialministeriums, formuliert: „Heute will niemand mehr mit seinen Kindern in ein Lokal gehen, in dem am Nebentisch munter geraucht wird.“
Größer sind die Differenzen in anderen Gaststätten. Ein weiteres Problem: Was den Nichtraucherschutz betrifft, gleicht Deutschland einem Flickenteppich. Baden-Württemberg hat ebenso sein eigenes Landesgesetz (das von der Dehoga als „gangbarer Kompromiss“ bezeichnet wird) wie alle anderen Bundesländer. Bayern verfügt seit einem Volksentscheid zu dieser Problematik über die strengsten Nichtraucher-Bestimmungen, auch im Saarland und in Nordrhein-Westfalen gibt man sich strikt. Die anderen Bundesländer weichen teilweise deutlich davon ab. Zudem, so Ex-Raucher Schulz, helfe das beste Gesetz nicht, wenn keine Sanktionen stattfänden. Und so wird er wohl auch künftig als Ein-Mann-Interventionsteam den Unmut mancher Freiburger Raucher und Wirte auf sich ziehen...


Stefan Ummenhofer

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