Dreisam-Mord Prozess

Fragen über Fragen

Am Dienstag beginnt der Prozess wegen des „Dreisam-Mordes“ gegen Hussein K.

Es wird einer der Aufsehen erregendsten Prozesse der letzten Jahre in Freiburg sein: Das am kommenden Dienstag um 9 Uhr beginnende Verfahren vor der Jugendkammer des Landgerichts Freiburg (Saal IV) gegen Hussein K.. Über den mutmaßlichen Mörder der 19-jährigen Studentin Maria L. weiß man wenig. Noch nicht einmal sein Name ist hundertprozentig verbürgt. Vermutlich ist er Afghane, das sagte er zumindest. Ob er wirklich 17 Jahre alt ist, wie er angab, scheint nicht sehr wahrscheinlich: Zwei von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Altersgutachten kamen zu dem Schluss, dass Hussein K. zur Tatzeit mindestens 22 Jahre alt war. Hinweise aufgrund des Zahnstatus von Hussein K. erlauben offenbar sogar die Vermutung, dass er noch ein paar Jahre älter ist.

„Es ist zu erwarten, dass das Alter des Beschuldigten zur Tatzeit Gegenstand der Beweisaufnahme in der Hauptverhandlung sein wird“, teilte Oberstaatsanwalt Michael Mächtel gestern mit. Je nach Ergebnis der Hauptverhandlung kann Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet werden - die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Angeklagte zur Tatzeit im juristischen Sinne erwachsen war.
Die Tatzeit war der frühe Morgen des 16. Oktober 2016 gegen 3 Uhr. Maria L., erst seit wenigen Wochen in Freiburg, war auf der „Big Medi Night“ in der Mensa Institutsviertel und fuhr nachts auf ihrem Rad an der Dreisam entlang in Richtung der Thomas-Morus-Burse in Littenweiler - ihrem Studentenwohnheim.
Auf Höhe des SC-Stadions griff sie ihr Mörder an, würgte und vergewaltigte sie. Anschließend legte der Täter - nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Hussein K. - sein bewusstloses Opfer im Wasser der Dreisam ab, wo es starb. Gegen 8.40 Uhr morgens wurde das Verbrechen entdeckt.
Die bis zu 40-köpfige „Soko Dreisam“ ermittelte fortan unter Hochdruck, vernahm 1.400 Personen und ging etwa 1.600 Hinweisen nach. Auf Hussein K. kam die Polizei durch akribische Kleinarbeit: Einer Polizistin fiel nach Sichtung der Überwachungskameras der VAG aus der betreffenden Nacht auf, dass ein Straßenbahn-Fahrgast ebenso teilweise blond eingefärbte schwarze Haare hatte, wie eines im Gebüsch neben dem Opfer gefunden worden war: Der in Freiburg bei einer Pflegefamilie als „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“ lebende Hussein K., der am 2. Dezember festgenommen wurde. Der DNA-Abgleich der Spuren am Tatort mit denen von Hussein K. zeigte die Übereinstimmung. Seitdem sitzt Hussein K. in Untersuchungshaft - und schweigt. Nach Ermittlungen der Polizei war die 19-jährige Maria ein Zufallsopfer - es gebe keine Hinweise darauf, dass sich Täter und Opfer gekannt hätten.
Derweil wurde der Freiburger Mordfall zum bundesweiten Diskussionsstoff über die Kriminalität von Flüchtlingen - und über die Laxheit im Umgang mit deren angegebenen Daten.
„Hussein K., geboren 1.1.1996“. So lauteten die Daten im Pass des jungen Mannes bei der Registrierung in Griechenland Anfang 2013. Im Mai 2013 verübte er ein schweres Verbrechen an einer jungen Frau auf der Insel Korfu und warf diese zehn Meter in die Tiefe - sie überlebte schwer verletzt. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt - und kam doch bereits im Oktober 2015 wieder frei. Bereits im November 2015 reiste er über Österreich nach Deutschland ein, wo dessen kriminelle Vergangenheit nicht erkannt wurde. So konnte es offenbar zum Freiburger Verbrechen kommen, wegen dem er jetzt vor Gericht steht.
Die Anklage geht davon aus, dass „der Beschuldigte sein Opfer heimtückisch und zur Befriedigung des Geschlechtstriebs getötet hat“. Damit wären gleich zwei klassische Mordmerkmale erfüllt.
Geplant sind zunächst 16 Verhandlungstage. Wer an dem Prozess teilnehmen möchte, muss sich auf erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gefasst machen: Es gibt einen eigenen Kontrollbereich, Metalldetektoren werden eingesetzt, Zuhörer dürfen keine Laptops oder Tablets mit in den Saal nehmen. Mobiltelefone müssen ausgeschaltet werden. 48 Plätze sind für Journalisten reserviert, die sich bereits im Vorfeld akkreditieren mussten. Gut 100 Plätze sind für Zuhörer aus der Bevölkerung vorgesehen - der Saal öffnet eine Stunde vor Verhandlungsbeginn.
Kurz vor dem Prozessauftakt haben sich auch die Eltern des Opfers zu Wort gemeldet: Sie wollten „als Nebenkläger unsere Rechte wahrnehmen, um unseren Beitrag zu leisten, dass der Rechtsstaat die Tat an unserer Tochter vollständig aufklärt und angemessen ahndet“, teilte das Ehepaar L. gestern gegenüber „Focus online“ mit. Ob das Ehepaar, das in Brüssel lebt, selbst während einzelner Verhandlungstage nach Freiburg kommen werde, sei noch offen, so Rechtsanwalt Bernhard Kramer.
Am 8. Dezember könnte das Urteil gegen den zuletzt im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg untergebrachten Hussein K. gesprochen werden.

Stefan Ummenhofer

0 0
Feed