Freiburg möchte noch fahrradfreundlicher werden: Bilanz und Ausblick

Freiburg ist eine Fahrradstadt. Das ist nicht zu übersehen. Und soll es auch bleiben.

Freiburg ist eine Fahrradstadt. Das ist nicht zu übersehen. Und soll es auch bleiben.
Wenn es nach Baubürgermeister Martin Haag und Garten- und Tiefbauamtsleiter Frank
Uekermann geht, sollen die  Pläne in den nächsten Jahren noch ausgebaut werden. „Der nun scheidende Gemeinderat hat viele Maßnahmen  des Radkonzeptes 2020 auf den Weg gebracht, erfolgreich umgesetzt und damit viel Positives erreicht. Aber auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt von morgen gibt es noch einiges zu tun“, betonte Haag am Montag.  Der politische Rückenwind sei momentan gut. Und war es in den letzten Jahren sowohl seitens des  Gemeinderates, aber auch des Landes Baden-Württemberg mit dem „fahrradfreundlichen“
Verkehrsminister  Winfried Hermann. Von dem im Radkonzept beschlossenen 37 Teilprojekten sind bis Ende diesen Jahres 21 fertiggestellt.  Die Kosten von rund 9 Millionen konnten auch dank der 2,8 Millionen Euro
Fördermittel des Landes aufgebracht werden. Im April 2013 hatte der Gemeinderat das Freiburger Radkonzept 2020 beschlossen. Die Überlegungen,  so der GuT-Leiter, begannen schon früher. Ziel war es zum einen, den Anteil des Radverkehrs in Freiburg auf  über 30 Prozent der Wege zu erhöhen, und zum anderen, die Anzahl der Radunfälle deutlich zu reduzieren.

Das erste Ziel wurde mit 34 Prozent sogar übertroffen, die Unfallzahlen jedoch stagnieren weiterhin auf hohem Niveau. In den letzten Jahren wurde einiges umgesetzt: Besonders stolz ist man auf die so genannten Rad-Vorrangrouten: Denn dieser Streckentyp wurde in Freiburg erfunden und wird gerade in die bundesweiten
Regelwerke aufgenommen. Der Vorteil: Per Rad kommt man hier zügig und sicher voran. Von den 13 Vorrang-
Routen sollten nach dem Willen des Gemeinderates zunächst drei Pilotrouten umgesetzt werden: FR1 entlang der Dreisam, FR2 entlang der Güterbahn und FR3 auf der Achse Lörracher- / Eschholz- / Waldkircher Straße. Von diesen drei Pilotrouten wurden der FR1 und der FR2 zu großen Teilen fertig gestellt, mit dem  Ausbau des FR3 wurde begonnen. Einige Strecken wurden beleuchtet und verbreitert. Zusätzliche Gehwege am Sandfangweg und beim Schwabentorwehr entlasten die Radwege und schaffen Wege für zu Fuß Gehende. Oft seien es auch kleinere Einzelmaßnahmen, die das Radfahren erleichtern und komfortabler machten, so Verkehrsplaner Georg Herffs. Wie etwa die Öffnung aller geeigneten Einbahnstraßen für Radfahrende in Gegenrichtung, die
Kennzeichnung der zahlreichen Sackgassen, die für Fuß- oder Radverkehr durchlässig
sind, oder auch die Einrichtung von 30 Radaufstellstreifen an Ampeln, die eine „Pole-Position“
vor dem Autoverkehr ermöglichen. Auch die Zahl der Abstellplätze wurde deutlich erhöht. Und: Seit einiger Zeit gibt es auch vermehrt Radverleih- und Mietsysteme. Insgesamt gibt es in Freiburg nun 190 Kilometer Radwege, 33 Kilometer Radfahr- und Schutzstreifen sowie 17 Fahrradstraßen mit über 6 Kilometern Länge. Allein deren Länge hat sich unter der Ägide des letzten Gemeinderates fast verdoppelt.

Wenn man die 240 Kilometer fahrradfreundlichen Straßen aus dem Radstadtplan
hinzurechnet, ergeben sich eindrucksvolle 470 Kilometer. Die Stadt hat nichtsdestotrotz
noch viel vor. Das Rad-Marketing soll weiter verstärkt werden, um weitere
Zielgruppen zum Radfahren zu animieren. Bei ausreichend Finanzen und
Fachpersonal sollen die drei Pilotstrecken des Vorrang-Netzes in den nächsten
Jahren fertig gebaut werden, um dann weitere Routen in Angriff zu nehmen, so Uekermann.
Neue Radschnellwege über die Gemarkungsgrenze hinaus, nach Norden bis
Emmendingen und Waldkirch sowie nach Westen in die March, werden in Zukunft auch
den egionalen Verkehr noch stärker aufs
Rad bringen. Weitere Planungen: Unter anderem werden in der Tullastraße im Rahmen
der Sanierung neue und breitere Radwege ausgewiesen, in der Günterstalstraße
wird gegenüber der Johanneskirche eine sichere Radverkehrsführung angelegt, in der Berliner Allee
ein Radweg am Weststadion gebaut. Baubürgermeister Haag weiß aber auch um die möglichen Konflikte: „Wir
haben in Freiburg nur begrenzt Flächen zur Verfügung.“ Alle Verkehrsteilnehmer
müssten sich diese teilen. „Wenn man irgendwo baut, nimmt man diese Fläche jemand anderem weg.“ Hier gelte es Kompromisse zu finden. „Der Radverkehr ist wichtig, aber nur Teil einer Gesamtstrategie. Das Ziel ist eine lebenswerte, urbane Stadt der kurzen Wege.“

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