Gefährliche Abkühlung

Badeunfälle nehmen zu – Tipps für das Schwimmen im See

Seit die Schwimmbäder nur begrenzt und mit Voranmeldung zugänglich sind, boomen die Seen noch mehr.

Abkühlung im kalten Nass — was gibt es Schöneres an einem heißen Sonnentag? Gerade in diesem Corona- Sommer, den viele Familien zu Hause verbringen, bieten die Seen der Region eine willkommene Abwechslung und Erfrischung. Doch leider ist der Badespaß nicht immer ungefährlich. Letztes Wochenende starben in der Region gleich drei Menschen in Folge von Badeunfällen. In Kippenheimweiler bei Lahr ertrank eine 19-jährige Nichtschwimmerin am Samstag im Waldmattensee. Ein 30-Jähriger, wohl ebenfalls Nichtschwimmer, war am Sonntagnachmittag im Malterdinger Baggersee verunglückt. Mit dem Rettungshubschrauber wurde er in eine Freiburger Klinik verbracht, wo er jedoch am Montag verstarb. Ebenfalls am Sonntag wurde bei Kappel-Grafenhausen gegen 23 Uhr im Baggersee die Leiche eines Mannes entdeckt. Nicht ganz ungefährlich ist auch das Schwimmen im Rhein. Am Samstagabend ereigneten sich im Bereich der sogenannten Panzerplatte in Neuenburg zwei Badeunfälle. In beiden Fällen konnte nur durch das schnelle Eingreifen von Umstehenden beziehungsweise der raschen Verständigung von Rettungskräften Schlimmeres verhindert werden. Ein weiteres Problem sind an den vollen Badeseen vor allem an Wochenenden die zugeparkten Rettungswege. Die Tendenz bereitet Grund zur Sorge: Die DLRG befürchtet einen Anstieg der Badeunfälle, auch wenn die Zahlen für die ersten sieben Monate des Jahres 2020 dies bislang noch nicht belegen. Die meisten Unfälle ereigneten sich an ungesicherten Badestellen an Flüssen, Seen und Teichen, betont Achim Wiese, Pressesprecher der DLRG. Mindestens 178 Personen (90 Prozent) kamen dort ums Leben. „Ein simples Badeverbotsschild reicht eben nicht aus, um Menschen vor dem Sprung ins unbewachte und vor allem unbekannte Gewässer abzuhalten“, mahnt Wiese. Gründe für das Ertrinken seien oft Alkohol, Leichtsinn oder Selbstüberschätzung. Ein weiteres Problem: Es gibt immer mehr Nichtschwimmer. Die Corona- Pandemie könnte diese Tendenz noch verstärken. „Eine Welle von Nichtschwimmern“, fürchtet Holger Voigt, Geschäftsführer Badischer Schwimm-Verband e.V. Vielen Kindern und Jugendlichen fehlt es an Wissen und Übung im Wasser. „Das muss schnell nachgeholt werden, denn nur so können sie lernen, sich sicher im Wasser aufzuhalten und auf Gefahren wie Strömungen oder Sog zu reagieren. Eine angemessene Selbsteinschätzung kann Leben retten“, sagt Andreas Paatz, Leiter der DRK-Wasserwacht. Die Wasserwacht appelliert, nur an gesicherten Badestellen ins Wasser zu gehen und die Baderegeln zu beachten: Niemals allein ins Wasser gehen, sondern mindestens zu zweit. Vorher abkühlen, nie mit vollem Magen oder unter Alkoholeinfluss baden. Andere nicht schubsen oder untertauchen, nie in unbekanntes oder trübes Gewässer springen. Absperrungen und Bojen beachten. Und wie reagiert man selbst als Badegast, wenn jemand ertrinkt oder sich in Gefahr befindet? Zunächst einmal: „Anders als in vielen Filmen dargestellt, schreien die wenigsten Menschen kurz vor dem Ertrinken oder schlagen mit den Armen“, sagt Prof. Dr. Hans Fuchs, Leiter der Pädiatrischen Intensivmedizin an der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. Bei Ertrinkungsunfällen sollte immer der Rettungsdienst gerufen werden. Denn immer wieder müssten auch Helfer am Universitätsklinikum Freiburg behandelt werden, weil sie sich bei einer Rettungsaktion überfordert haben. Tipps, wie man sich verhält: 


■ Bewahren Sie Ruhe 

■ Setzen Sie sofort den Notruf ab und machen Sie andere Badegäste auf die Situation aufmerksam 

■ Reichen Sie dem Ertrinkenden zur Rettung einen schwimmenden Gegenstand, an dem es sich festhalten kann und bringen Sie sie oder ihn aus dem Wasser 

■ Überprüfen Sie Atmung und Puls. Falls Sie keine Lebenszeichen feststellen oder sich nicht sicher sind, beginnen Sie mit der Herz-Lungen- Wiederbelebung. 

■ Führen Sie die Herzdruckmassage und Beatmung so lange durch, bis der Rettungsdienst eintrifft

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