Gewisse Ungewissheit

Das Coronavirus beschäftigt auch die Menschen im Raum Freiburg überaus

Die Meldungen überstürzen sich, fast jedes größere Medium hat inzwischen im Internet einen Corona- Live-Ticker eingerichtet: Isolation von Hotelgästen auf Teneriffa, ein geschlossener Kindergarten in Nordrhein- Westfalen, erst einer, dann seit gestern drei Erkrankte in Baden- Württemberg — im Minutentakt gehen die neuesten Meldungen an die Öffentlichkeit und tragen zur weiteren Verunsicherung bei: Entwickelt sich das Coronavirus zur Pandemie? Auch im Raum Freiburg sorgt man sich und verfolgt die ständig wachsenden Opferzahlen, auch wenn im Gegensatz etwa zum europäischen Epizentrum in der italienischen Lombardei in Südbaden bis jetzt noch keine Verdachtsfälle aufgetaucht sind — hingegen aber seit gestern im benachbarten Elsass, wo sich ein 36-Jähriger aus Strassburg offenbar bei einem Aufenthalt in der Lombardei mit dem Virus infiziert hat. Vorkehrungen werden jedoch auch in Freiburg getroffen: An der „Rollenden Landstraße“ im Industriegebiet, von wo aus ein reger Transport nach Norditalien stattfindet, gelten bei den meisten Firmen verschärfte Hygienestandards. Die Wagen werden gründlicher desinfiziert als noch vor einigen Wochen, als man das Coronavirus allenfalls mit China in Verbindung brachte. Auch Reiseveranstalter machen sich spätestens Sorgen, seit der berühmte venezianische Karneval abgebrochen wurde und Stornierungen für den Sommerurlaub eingehen. Eine offizielle Reisewarnung für Italien gibt es freilich (noch) nicht, zumal einige Urlaubsgebiete weit weg von den Regionen liegen, die nun hauptbetroffen sind. Vorsicht, aber keine Hysterie — das ist die Devise. Die Experten raten dazu, sich nicht anders zu verhalten, als wenn Grippe- und Erkältungsviren umgehen: Von Menschen mit Erkältungssymptomen Abstand halten. Selbst nie in die Hand, sondern in die Ellenbeuge niesen oder husten. Und sich sofort und gründlich die Hände waschen, wenn man zu Hause oder auf der Arbeit ankommt und zum Beispiel im Nahverkehr unterwegs war — und zwar 20 bis 30 Sekunden lang. Oder, wie eine österreichische Wissenschaftlerin rät, so lange die Hände waschen, wie man benötigt, um zweimal „Happy Birthday“ zu singen. Wichtig für die Wissenschaftler, um einer weiteren Ausbreitung zu begegnen und neue Erkenntnisse über das Virus zu erlangen, ist es auch, den Datenaustausch zu intensivieren. Dr. Wolfgang Maier und Dr. Björn Grüning von der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg haben zusammen mit Forschenden von Universitäten in Belgien, Australien und den USA die bisher verfügbaren Daten zu Sequenzen des Coronavirus überprüft und auf der Open-Source- Plattform Galaxy veröffentlicht. Die beiden Freiburger Bioinformatiker wollen damit den Datenaustausch zwischen den Behörden, Instituten und Laboren, die sich mit dem Virus beschäftigen, vereinfachen. Ihr Vorgehen und die Ergebnisse haben die Freiburger Forschenden auf dem Portal bioRxiv dokumentiert. Hartmut Hengel, Leiter des Institutes für Virologie an der Uni Freiburg, hat derweil gestern gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an alle Verantwortlichen appelliert, Infektionsketten möglichst zu unterbinden oder zumindest zu unterbrechen. „Das gelingt, wenn schnelle Erstdiagnosen gestellt und dann Weitergaben des Virus durch Isolation der Patienten verhindert werden“, sagte Hengel. Der Wissenschaftler betonte aber auch Folgendes — und das sollte bei aller Unsicherheit dann doch beruhigende Wirkung haben: Das Risiko einer schweren Lungenerkrankung sei für die Mehrheit der Bevölkerung im allgemeinen sehr gering. „Schwere Verläufe bei Menschen ohne Risikomerkmale sind durchaus Ausnahmen.“

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