Guildford Bülent Gençdemir

Guildford: Echt britisch

Folge 8:

Stadtkurier-Redakteur Bülent Gençdemir über den Besuch - und ein Trauma...

Mehr als die Hälfte meiner Reisen habe ich nun hinter mir. Nun ist es wieder ein englischsprachiges Land, welches ich mit meinem treuen Wegbegleiter, meiner allzeit bereiten Kamera, besuche. 

Mit meinem Schulenglisch im Gepäck geht es in weniger als zwei Stunden via Flugzeug nach London und dann weiter mit der Bahn in die Partnerstadt Guildford: eine Kleinstadt mit englischem Charme.
Ein wirklich schönes Hotelzimmer mit Blick über den Berggipfel „Hog’s Back“ wartet. Grüne Landschaft, soweit das Auge reicht. Ich genieße den Blick in die Ferne und schweife gedanklich ab, bis mein Handy klingelt. Mein Drehtermin in der alten Kathedrale steht an. Mein Taxi wartet bereits vor dem Hotel. Mit meinem Film-Equipment im Schlepptau fahre ich auf der Beifahrerseite falschherum und falsch sitzend zum Drehort. Beschäftigt mit dem imaginären Lenkrad und der Bremse gewöhne ich mich an die Situation der britischen Verkehrsregeln. Beim ersten Blick auf die Kathedrale aus der Ferne traue ich meinen Augen nicht: Schnell ist der englische Zauber verschwunden und eine Angst macht sich in mir breit. Ich war noch nie zuvor in Guildford, aber dieses Gebäude kommt mir sehr vertraut und Angst einflößend zugleich vor. Denn es hat meine Kindheit stark geprägt, seit ich mir im Alter von acht Jahren klammheimlich durch den Türspalt zum Wohnzimmer den kultigen Horrorfilm „Das Omen“ ansah. Das war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb ich in meinen Fieberträumen aus meinen Kindestagen immerzu diese Kathedrale sah: Ein brennendes Streichholz kam zudem immer wieder auf mich zugerauscht. Und jetzt steht nach all der Zeit das Gebäude aus dem Film direkt vor mir, nur die Streichhölzer fehlen zum Glück...
Am nächsten Morgen ging es nicht allzuweit vom Hotel weiter zum bereits erwähnten „Hog´s Back“ - und zwar in die gleichnamige Brauerei. „Bier am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen“, sollte mein Tagemotto werden. Denn gleich in der Früh musste ich verschiedene Sorten Bier ausprobieren: Neben dem Schokoladenbier auch das Weihnachtsbier, das Gewürzbier sowie weitere süße wie herbe Sorten. Es war zumindest schmackhaft und eine neue Erfahrung... Weiter ging es in die schmucke Innenstadt und an den nahegelegenen Fluss. Und: Schon wieder eine Erscheinung, die mir aus meinen Kindheitstagen geblieben ist. Die in Stein gemeißelte Erscheinung am Schlosspark war niemand geringeres als die bezaubernde „Alice im Wunderland“. Man sollte wissen: Die britischer Schriftsteller Lewis Carroll lebte einst hier im beschaulichen Guildford - und wurde entsprechend gewürdigt. Guildford hatte jedoch einige Seitenhiebe für mich parat, die ich noch nie zuvor auf meiner Reise so erlebt hatte und die das Wetter betrafen. Auf jeden sonnigen Morgen folgten unerklärliche Wolken mit Platzregen, der mir einen Strich durch meine Dreharbeiten machten. Dieses Spektakel wiederholte sich im 20-Minuten-Takt über meinen gesamten Aufenthalt. Irgendwann hatte ich den Dreh raus, denn fortan drehte ich bei Regen innen und bei Sonnenschein außen. Das Wetter und ich hatten fast eine Vereinbarung, an die es sich künftig hielt.
An meinem letzten Tag war ich zu Gast bei Familie Ford. Die Gastgeberin Barbara kannte Freiburg aus ihren Besuchen und schwärmte von unserer Stadt. Auch ich konnte - nehmen wir mal das Wetter aus - über Guildford dasselbe sagen.
Guildford ist nicht irgendeine Stadt im Königreich oder in meinem Reiseportfolio, man empfing mich sehr freundlich. Geliebt wird jedoch nur eine Person - die Queen! Und wenn ich lieben sage, meine ich auch „LIEBEN“. Auf die Kultur und die alten Traditionen wird hier generell viel Wert gelegt.
Nur bedingt dazu passt etwas Anderes: Wer Videospiele als sein Zuhause empfindet, wird überrascht sein, dass sich der Weltkonzern EPIC-Games ebenfalls in Guildford befindet.
Guildford ist ein Ort, der unbedingt zu einem Besuch anregt und diesen garantiert unvergesslich macht. Und deshalb will ich passend zum „Omen“ und zu „Alice im Wunderland“ auch mit einem Filmzitat in Originalsprache schließen: „I‘ll be back!“

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