Nigel Manning Guildford Bülent Gencdemir

„Haben von Freiburg gelernt“

Guildfords Bürgermeister Nigel Manning über die Städtepartnerschaft

(sk). Die Partnerschaft zwischen Freiburg und dem nur etwa 30 Autominuten von London entfernt gelegenen Guildford geht im Wesentlichen auf die Privatinitiative der gebürtigen Londonerin Dorothy Elchlepp zurück, die der Liebe wegen nach Freiburg gezogen war und dort 1959 den „Anglo-German-Club“ gegründet hatte. 

Nachdem Freiburg 1977 auf die erste Anfrage Guildfords noch etwas zurückhaltend reagiert hatte, weil man nicht zuviele Partnerschaften eingehen wollte, wurde die Städteehe 1979 dann doch besiegelt. Bereut hat man es hier wie da noch nie.
Das knapp 70.000 Einwohner zählende Guildford ist die Hauptstadt der Grafschaft Surrey. In dem beliebten Ort mischen sich Tradition und Moderne, historische Häuser mit namhaften Firmen sowie Parklandschaften wie dem berühmten „Wisley Garden“.


Nigel Manning ist Bürgermeister von Guildford. Manning, Mitglied der Konservativen, sieht die Partnerschaft mit Freiburg überaus positiv, wie in unserem Interview deutlich wurde.

SK: Was sind die Vorteile dieser Partnerschaft?


Manning: Der Hauptvorteil ist ein Austausch der Kulturen zweier Städte, die nicht zuletzt von Universitäten geprägt sind. Wir in Guildford haben viel von Freiburg gelernt, beispielsweise im Umweltbereich. Es ist uns ein großes Anliegen, die Partnerschaft zu Freiburg zu erhalten und noch weiter zu vertiefen.


SK: Auf welchen Ebenen sind die Beziehungen besonders eng?


Manning: Auf einigen Ebenen. Ich möchte hier beispielsweise den touristischen Bereich nennen – oder auch die engen Beziehungen der Kirchen in beiden Städten zueinander. Zum kulturellen kommt also auch noch der religiöse Austausch.


SK: Wenn Sie Ihre eigene Stadt kurz vorstellen würden – was wären die Kernpunkte?


Manning: Guildford ist eine sehr historisch geprägte Stadt mit zahlreichen alten Häusern. Gleichzeitig ist Guildford ein bekannter Hightech-Standort, so dass sich Tradition und Moderne gut verbinden. Außerdem spielt der Tourismus bei uns eine große Rolle, was natürlich mit der Schönheit der Stadt, des Flusses, aber auch den großen Parkflächen zu tun hat. Guildford liegt sehr schön – und ist gerade einmal 30 Minuten von London entfernt, so dass sich ein Abstecher immer lohnt. Wie in Freiburg auch verbinden sich städtische Elemente mit der Möglichkeit, nach wenigen Minuten draußen in der schönen Natur zu sein. Wichtig ist uns außerdem, dass Guildford – auch nachts – eine sehr sichere Stadt ist.


SK: Was ist Ihr bevorzugter Ort in Guildford?


Manning: Ehrlich gesagt der Platz, an dem wir uns gerade befinden, also das Rathaus. Die Uhr aus dem 17. Jahrhundert, die hier vor dem Rathaus hängt, ist zudem ein Touristenmagnet und auf fast jedem Foto von Guildford zu sehen. 


SK: Wie beeinflusst die Atmosphäre Guildfords Ihr Arbeits- und Privatleben?


Manning: Sehr positiv, denn ich fühle mich sehr wohl hier. Zuvor habe ich aber nie in Guildford gearbeitet, sondern primär in London. Da ich aber eher ein Landmensch bin, der morgens gerne die Vögel in der Natur singen hört und weniger Verkehrsstaus mag, ist es hier leichter zu arbeiten als in London. Zwar ist in Guildford immer viel geboten (von Ausstellungen zu Musikfestivals), aber die Natur ist nahe und man kann auch in der Mittagspause am Fluss entlanglaufen oder sich in einen der Parks setzen.


SK: Könnten Sie sich vorstellen, irgendwo anders zu leben?


Manning: Das Einzige, das ich vermisse, ist das Meer. Ich komme – ebenso wie meine Frau - aus einer Küstenstadt. Sollte ich also irgendwann noch einmal aus Guildford wegziehen, dann wahrscheinlich an die Küste.


SK: Wie wichtig ist es, eine deutsche Partnerstadt zu haben?


Manning: In Guildford ist die Geschichte allgegenwärtig. Beide Seiten haben aus ihr gelernt und es ist großartig, eine solche Partnerstadt wie Freiburg zu haben, weil wir die Warmherzigkeit spüren. Ich habe den Eindruck, auch viele junge Leute in Guildford freuen sich darüber und sind Freiburg-affin. Neulich gab es wieder Fußball-Freundschaftsspiele unserer „City Boys” mit Jugendspielern des „SV Blau-Weiß Wiehre” hier in Guildford. Das ist doch toll – zumal wir gewonnen haben (lacht). Das Deutsche ist hier in der Region auch durchaus präsent. In Nash vor den Toren Guildfords gibt es die Kirche St. Marys, in der es einmal in der Woche einen deutschsprachigen Gottesdienst gibt, weil nach dem Krieg einige Deutschsprachige in der Region geblieben sind. Also: Für uns ist eine deutsche Partnerstadt wichtig – dass es sogar eine wie Freiburg ist, erfreut mich noch mehr.

Mit Nigel Manning sprach
Bülent Gençdemir

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