Handydaten belasten Hussein K.

Handydaten belasten Hussein K.

Dreisam-Mordprozess: Spezialisten rekonstruieren Daten

Im Prozess um den Sexualmord an der Studentin Maria L. im Oktober 2016 an der Dreisam sehen die Ermittler den Tatvorwurf gegen Hussein K. nach Auswertung von dessen Handy-Daten als erhärtet an. Die auf dem Mobiltelefon gespeicherten Standort- und Bewegungsdaten belegten, dass Hussein K. in der Tatnacht am Tatort gewesen sei. Das sagte ein Experte der Kriminalpolizei am Montag vor dem Landgericht Freiburg.
Hussein K. werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Ein Urteil in diesem Prozess soll frühestens Mitte März fallen.
In dem Mordfall habe die Polizei erstmals in Baden-Württemberg Spezialisten der Abteilung Cybercrime in eine Sonderkommission geholt, sagte der Beamte. Der Grund sei die Vielzahl digitaler Spuren gewesen. Hussein K. habe ein Handy neuester Generation (IPhone 6S) bei sich getragen. Dieses speichere automatisch Daten, unter anderem zu Standorten und Bewegungen. Die Polizei habe Spezialisten einer privaten Hacker-Firma beauftragt, um an die Daten zu kommen.
Diese belegten, dass Hussein K. zur Tatzeit am Tatort gewesen sei. Er habe sich rund 30 Minuten vor dem Angriff auf die Studentin dort aufgehalten und rund eine Stunde und 15 Minuten danach. Den Ort verlassen habe er in dieser Zeit nicht. Die Analyse der Höhenangaben zeige, dass er sich vor der Attacke mit großer Wahrscheinlichkeit am Uferweg aufhielt und dort möglicherweise auf ein Opfer gewartet habe. Danach sei er die ganze Zeit in der tiefer gelegenen Dreisam gewesen.
Diese Daten widersprächen der Aussage des Angeklagten. Hussein K. hatte bei seinem Geständnis zum Prozessauftakt Anfang September angegeben, der jungen Frau zufällig begegnet zu sein und diese aus einem Affekt heraus angegriffen zu haben. Eine geplante Tat sei es nicht gewesen.
Es geht in dem Prozess auch um die Frage, wie alt der vor der Jugendkammer stehende Mann ist. Er selbst hatte angegeben, aus Afghanistan zu kommen und 16 oder 17 Jahre alt zu sein. Zum Prozessauftakt gab er zu, gelogen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hält Hussein K. für mindestens 22 Jahre alt. Entsprechende Gutachten und Zeugenaussagen stützen das.
Der Prozess wird am 25. Januar fortgesetzt, dann sollen zwei Polizeibeamte aus Griechenland aussagen. Wegen einer schweren Gewalttat an einer jungen Frau 2013 war Hussein K. in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Nach seiner Freilassung tauchte er unter und kam im November 2015 ohne Papiere nach Deutschland.
Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling lebte er in Ebnet bei einer Pflegefamilie. Von den Behörden überprüft wurden seine fragwürdigen Altersaussagen den Angaben zufolge nicht.

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