Hoffnung in der Krise

Das Corona-Virus prägt den Alltag — aber es gibt auch viel Positives

Der Alltag in der Stadt hat sich verändert: In Freiburg wie nahezu in der ganzen Welt ist das Leben von der Corona-Pandemie geprägt. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, gilt in Freiburg bereits seit einer Woche ein so genanntes Betretungsverbot für öffentliche Orte. Die Stadtverwaltung hatte sich am späten Donnerstagabend dazu entschlossen und ist damit dem Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am Sonntag zuvorgekommen. Oberbürgermeister Martin Horn entschied sich zu handeln — „aus Fürsorgepflicht“. Hinzu kommt die dramatische Lage im nahen Elsass. Auch die benachbarte Schweiz ist stark betroffen. Zudem stiegen und steigen die Infektionszahlen in Freiburg massiv an. Und leider haben sich vergangene Woche immer wieder Menschen nicht an die Allgemeinverfügung gehalten, die seit 13. März galt. Darüber hinaus fanden so genannte „Corona-Parties“ statt mit teilweise über 100 Teilnehmern. Bei vielen Bürgerinnen und Bürgern herrscht jetzt Verwirrung: Was darf ich jetzt eigentlich noch und was nicht? Welche Geschäfte sind geöffnet? Die neuen Maßnahmen gelten für zunächst zwei Wochen und bedeuten konkret, dass öffentliche Orte
nicht mehr betreten werden dürfen. Das Haus oder die Wohnung soll nur noch für dringende Angelegenheiten verlassen werden. Dazu zählen zur Arbeit oder zum Arzt gehen sowie Lebensmittel einkaufen. Ausdrücklich erlaubt ist aber weiterhin: Bewegung an der frischen Luft, alleine, zu zweit oder mit im Haushalt lebenden Menschen — und mit dem notwendigen Abstand. Und das wird und wurde bei dem sonnigen Wetter auch reichlich genutzt. OB Horn: „Letztlich muss es doch darum gehen, eine Ausbreitung nachhaltig zu stoppen. Darum bin ich überzeugt, dass wir nun gemeinsam zurücktreten müssen. Lieber ein klarer Schnitt für kurze Zeit, als eine Verzögerung über Wochen und Monate.“ Geschlossen sind jetzt auch Friseure, Kosmetikstudios und Gastronomiebetriebe. Ausgenommen: Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause. Erfreulich: Die jetzigen Maßnahmen scheinen zu wirken, die Menschen halten sich zum überwiegenden Teil daran. Ebenfalls erfreulich: Das Land Baden-Württemberg hat ein Soforthilfeprogramm aufgelegt: Gewerbliche Unternehmen, Sozialunternehmen und Angehörige der Freien Berufe, die sich unmittelbar infol
ge der Corona-Pandemie in einer existenzbedrohenden wirtschaftlichen Lage befinden und massive Liquiditätsengpässe erleiden, werden mit einem einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschuss unter
stützt. „Natürlich sind wir jetzt sofort bereit, alles zu tun, damit die Hilfe so rasch wie möglich bei unseren Betrieben ankommt“, sagt IHK-Geschäftsführer Dr. Dieter Salomon. Ebenso wie die IHK wird auch die Handwerkskammer Freiburg ab sofort schnellstmöglich die Anträge der Mitgliedsbetriebe prüfen. Johannes Ullrich, Präsident der Handwerkskammer Freiburg, erklärt: „Auch bei Betrieben, die noch geöffnet sein dürfen, brechen Umsätze weg, Aufträge werden storniert oder für die kommenden Wochen nicht mehr erteilt. Dazu
kommt die Sorge um das Personal und das ständige Risiko einer Betriebsschließung. Deshalb sind wir der Landesregierung dankbar für dieses Soforthilfeprogramm.“ Ein hoffnungsvolles Zeichen setzen zahlreiche Hilfsorganisationen und private Initiativen, die sich in der Nachbarschaftshilfe engagieren, für ältere und kranke Mitbürger einkaufen gehen, Arznei besorgen oder mit dem Hund Gassi gehen. Auf unserer Sonderseite (Seite 4) stellen wir einige davon vor. Ein Stück Normalität in dieser für alle schwierigen Zeit: Die meisten Wochenmärkte sind geöffnet — so auch der in Littenweiler am Samstag, der letzte Woche nicht stattfinden konnte. Katrin Hauf

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