Lehren

Lehren

Man lernt so einiges im Verlauf des Mordprozesses gegen Hussein K. vor dem Landgericht Freiburg.

Beispielsweise über die faszinierenden wissenschaftlichen Möglichkeiten zur Altersbestimmung anhand eines Zahnes, über die die renommierte Gutachterin Ursula Wittwer-Backofen am zehnten Prozesstag berichtete. Man lernt aber auch so manches, was frustriert: Mit welcher Nonchalance etwa die Behörden und Mitarbeiter diverser Einrichtungen die falschen Angaben des Angeklagten, der wohl mindestens fünf Jahre älter sein dürfte als er ursprünglich angab, geglaubt haben. Dass man — nicht nur in diesem Fall — keinen Anlass sah, kritisch Dinge zu hinterfragen, obwohl falsche Altersangaben bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF´s) eher die Regel als die Ausnahme sind, wie ein Zeuge an einem anderen Prozesstag wie selbstverständlich verkündete. Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Gelder, die für die (angebliche, denn auch hier gäbe es Fragen) Betreuung dieser Personengruppe in die Hand genommen werden. Es ist auch eine Gerechtigkeitsfrage: Dass diejenigen Flüchtlinge, die korrekte Angaben gemacht werden, nicht für ihre Ehrlichkeit bestraft werden. Künftig genauer hinschauen, heißt die Lehre aus diesem Versagen — bei den Flüchtlingen, aber auch bei den Einrichtungen und den Geldern, die an diese fließen.

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