Theater Freiburg

Neugier auf die Menschen

Mit Beginn der Intendanz Peter Carps soll die Passage 46 wieder regelmäßig öffnen

„Menschen gehen wegen Menschen ins Theater“, beschreibt Peter Carp, der designierte Intendant des Freiburger Theaters, seine künstlerische Ausrichtung. Im Oktober folgt er auf Barbara Mundel. Vorab stellte Carp sein Leitungsteam sowie den Spielplan schon einmal vor. 

„Das ist das Schöne am Theater, man trifft andere Menschen, erlebt etwas gemeinsam und kann sich im Anschluss darüber austauschen.“ Dass dies direkt im Theater bei Getränken und Musik bald wieder möglich ist, dürfte viele Freiburger freuen. „Wir werden die Passage 46 ab Oktober in Eigenregie betreiben“, lautete die überraschende Nachricht. Das heißt: Ein Pächter wird nicht gesucht. Eine bewusste Entscheidung, um möglichen Problemen aus dem Weg zu gehen, wie Chefdramaturg Rüdiger Bering betont. Denn den Neuen ist die Vorgeschichte durchaus bewusst. Im Herbst 2014 eröffnete die umfangreich renovierte ehemalige Jackson Pollock Bar als Passage 46. Nicht einmal ein Jahr später: die Insolvenz. Was dann folgte, waren Vorwürfe, gegenseitige Anschuldigungen und die Schließung.
Ab Oktober wird die Passage 46 mit Barbetrieb wieder regelmäßig öffnen. „Ein Programm mit Konzerten, Kleinkunst, Lesungen oder auch Parties bis in die frühen Morgenstunden sollen die Passage 46 wiederbeleben“, so Carp.
Bei der Vorstellung seiner künstlerischen Ausrichtung ging der designierte Intendant auch auf die weiteren Aspekte der „Menschen im Theater“ ein. Er sei ein großer Anhänger des Ensemble-Theaters. Man werde die Schauspieler in verschiedenen Rollen erleben können.
Außerdem müsse es „Ziel des Theaters sein, unsere Neugier auf die Welt zu erhalten — vielleicht sogar zu steigern“. Ein Schwerpunkt liege deswegen auf vielfältigen internationalen Erzählweisen: der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani zeigt seine eigene Sichtweise auf Anton Tschechows „Der Kirschgarten“, der südafrikanische Autor und Regisseur Mpumelelo Paul Grootboom nimmt den Fall des 1995 vom nigerianischen Regime hingerichteten Menschenrechtsaktivisten Ken Saro-Wiwa als Inspiration für sein neues Politdrama „Crudeland“, die junge polnische Regisseurin Ewelina Marciniak gibt mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ ihr Debüt im deutschsprachigen Raum, um nur einige Beispiele zu nennen.
Spartenübergreifende Produktionen bilden einen weiteren Schwerpunkt. Besonders spektakulär verspricht „The Black Forest Chainsaw Opera“ des belgischen Kult-Regisseurs Stef Lernous zu werden: „Ein wüster Genremix zwischen Horrorfilm und großer Oper.“
Ein ehrgeiziges Programm. Man darf gespannt sein auf die neue Spielzeit - und die „neue“ Passage 46.
Katrin Hauf

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