Ökologisch oder unsinnig?

Tempo 30 soll künftig zwischen Schützenalleetunnel und Kronenbrücke ganztags gelten

Ganztags
Tempo 30 auf der B31 soll kommen - und das schon relativ bald. Die
Stadtverwaltung teilte vor wenigen Tagen mit, dass sie sich mit dem
Regierungspräsidium in dem Ziel einig sei, „dass auf den
Dreisamuferstraßen, der Schwarzwaldstraße und der Leo-Wohleb-Straße die
bestehende nächtliche Tempo-30-Regelung aus Lärmschutzgründen auch auf die
Tagesstunden ausgeweitet werden soll“.

Wichtige
Maßnahme oder ein fundamental-ökologisches Über-das-Ziel-Hinausschießen?

Ohnehin
steht vor der Möglichkeit einer Tempobeschränkung rund um die Uhr die
Nachweispflicht, dass die verkehrsbedingte Lärmbelastung an den Gebäuden
entlang der Straße den Immissionswert von 70db(A) überschreitet und diese
Maßnahme auch nach Abwägung mit anderen schutzwürdigen Belangen rechtlich
begründet ist. Das Garten- und Tiefbauamt (GuT) lässt derzeit die Lärmbelastung
an der B31 berechnen und will dann beim Regierungspräsidium die Zustimmung zu
einer ganztägigen Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h beantragen. Man geht
beim GuT nämlich davon aus, dass der Wert von 70 dB(A) übertroffen wird.

Bereits
im Herbst könnte dann die Tempo-30-Regelung schon greifen.

Nicht
alle sind begeistert von den Plänen: SPD und „Freiburg Lebenswert“ fühlen sich
nicht ausreichend informiert, zeigten sich über die Pressemitteilung der Stadt
und des Regierungspräsidiums überrascht. Andere Möglichkeiten, so etwa eine
bauliche Reduzierung statt eines Tempo-30-Befehles, seien nicht ausreichend
erwogen worden.

Stefan
Schillinger, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, sagt etwa: „Tempo
30 rund um die Uhr sollte meines Erachtens die allerletzte Möglichkeit sein -
andere Lösungsversuche wären mir lieber.“

Kritik
gibt es wenig überraschend auch vom ADAC: „Auch wenn die Lärmwerte das
hergeben, müssen sich die Verantwortlichen im Klaren sein, ob sie etwas Gutes
tun“, meint Clemens Bieniger, Vorsitzender des ADAC Südbaden. Denn, so
Bieniger:  „Dadurch wird der Verkehr noch langsamer und staut sich noch mehr.
Das bedeutet geringerer Lärm, dafür aber mehr Abgase und somit mehr Emission.“

Die
Stadtverwaltung meint hingegen, durch das andere Beschleunigungsverhalten bei
Tempo 30 gegenüber Tempo 50 könnten sowohl Lärm- als auch Abgasemissionen
reduziert werden.

Zurück
zum ADAC: Bieniger rechnet noch mit etwas anderem, nämlich einem Umdenken der
Autofahrer, das entgegen des angedachten Zieles verläuft: „Der Verkehr wird
sich dann wohl Alternativrouten suchen und durch die umliegenden Wohngebiete
fahren..."

Was
das betrifft, hat Helmut Thoma, Verkehrsexperte der grünen Gemeinderatsfraktion,
ohnehin schon gewisse Pläne. „Dieses Tempo-30-Limit ist für uns nur ein
Anfang: Wir wollen, dass grundsätzlich in allen bewohnten Bereichen der Stadt
künftig rund um die Uhr Tempo 30 gelten soll.“ Dies schaffe „mehr
Lebensqualität für alle“, so Thoma. Er betont: „Auch wenn dies leider nicht von
heute auf morgen umzusetzen sein wird, wir bleiben hartnäckig am Ball!“

Das
dürfte indes für die Gegenseite ebenso gelten...

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