Städtepartnerschaft Matsuyama, Japan

Pünktlichkeit und Freundlichkeit

Teil 3:

Stadtkurier-Redakteur Bülent Gençdemir über seinen Besuch der Freiburger Partnerstadt Matsuyama


Die alten Filme waren die einzigen Anhaltspunkte für mich, wenn es um Japan ging. Im Fernsehen wurde gekämpft, gesprungen, geflogen — und das alles mit atemberaubender Martial-Arts-Kunst veredelt: Die Japaner waren die Helden meiner Jugend, wenn es um Kampfkunst ging. Mit dieser Vorprägung hatte ich mich auf das Land eingestellt: die japanischen Bauten im Kopf, deren asiatische Kleidung und die Bräuche. Doch davon habe ich im heutigen Matsuyama eher wenig gesehen.

Kaum etwas glich den Filmen meiner Erinnerung. Fast alles ist sehr modern, sehr professionell durchstrukturiert. Die Menschen waren — wie die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel — exakt getaktet. Ordnung ist hier sehr wichtig. 


Klar, auch wir in Deutschland nehmen unsere Termine ernst und sind sehr zuverlässig — so jedenfalls wird es in die Welt getragen. Aber hier in Japan ticken die Uhren nochmal anders. Sagen wir mal: Sie ticken noch genauer. Da wir an diese zeitliche Korrektheit nicht so gewöhnt waren, kamen wir einige Male zu spät und mussten uns öfter mal entschuldigen. Ich passte mich schließlich den Menschen vor Ort an und eignete mir wie die Japaner das Verbeugen an, das in Japan die der Etikette entsprechende Begrüßung ist und dem Händeschütteln in Deutschland entspricht.

Manchmal mussten Dreharbeiten abgebrochen werden, da sonst der Folgetermin nicht hätte eingehalten werden können. Klar, diese absolute Disziplin bringt viele Vorteile mit sich: Hier ist hundertprozentig Verlass auf die Planung. Immer.

Auch das Essen war neu und fremd. Ein Grundnahrungsmittel in Japan ist Fisch, den es zu jeder Tageszeit gibt und der roh gegessen wird. Obwohl ich ein leidenschaftlicher Fischesser bin, fiel mir dies schon nach zwei Tagen schwerer und man freut sich – wie immer nach einem Aufenthalt im Ausland – auch wieder auf die Küche zu Hause.

Matsuyama ist zweifelsohne eine tolle Stadt mit vielen Facetten. Die Menschen tragen eine Grunddisziplin mit sich, die in vielen Ländern für einen reibungslosen Ablauf zwingend nötig wäre. Zudem eine unablässige Freundlichkeit, auf die man sich als Europäer erst einstimmen muss.

Respekt dem Gegenüber ist ein hohes Gebot. Das gilt auch für die Partnerstadt: So läutet zu jeder Stunde die Schwarzwalduhr aus Freiburg über die stark frequentierte Fußgängerzone. Man ist hier stolz darauf, einen deutschen Partner zu haben. Das habe ich spätestens bei der anberaumten Pressekonferenz mitbekommen, in der ich nicht Vertreter der Presse war, sondern beschämter Mittelpunkt...

Bülent Gençdemir

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