Phillip Grimm

„Völlig andere Gegebenheiten“

Philip Grimm, Hydrologe aus Freiburg, ist in Wiwili um der Bevölkerung zu helfen. 

In gewisser Hinsicht tritt er damit in die Fußstapfen des Freiburger Aufbauhelfers Berndt Koberstein, der vor über 30 Jahren von den „Contras“ während seines Aufenthaltes in Wiwili erschossen wurde. Seine damaligen Ambitionen lagen in der Wasserversorgung der Bevölkerung. Dieses Projekt wird nun von Grimm und der „Grupo Direktive" (Stadt Wiwili, Stadt Freiburg, NGO ADEM) fortgeführt und im ländlichen Bereich ausgedehnt. Unser Redakteur Bülent Gençdemir hat sich mit Phillip Grimm über die Situation in Wiwili am Vorfilter der städtischen Wasserversorgung unterhalten.


SK: Wo genau befinden wir uns hier?


Grimm: Hier befindet sich der Vorfilter, ein ganz wichtiger Punkt. Dieser holt sich das Wasser aus dem Kilambe, dem Naturschutzgebiet, und bringt es herunter in die Stadt. Bernd Koberstein hatte damals angefangen, dort oben eine Wasserfassung zu bauen, um die Menschen in Wiwili mit häuslichem Wasser zu versorgen. Damit sie das Wasser nicht mehr aus dem Gewässer nehmen müssen.

SK: Mit was für ein Gefühl gehen sie an die Arbeit?

Grimm: Koberstein hat mit seiner Arbeit große Fußstapfen hinterlassen. Gerade für mich als Hydrologe ist das Abwasser im Fokus. Es geht hier nämlich auch um gesundheitliche Auswirkungen für die Einwohner.

SK: Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?

Grimm: Wir haben aktuell eine funktionierende Wasserversorgung für den Teil Wiwilis namens Jenotega, aber wir haben keinen Schutz der Einzugsgebiete um den Ort herum. Die Menschen, die dort leben, die Nutzung, die dort stattfindet - ob Viehhaltung, Mais- und Bohnenanbau oder Kaffee - wird beim nötigen Waschprozess viel Abwasser in die Gewässer tragen. Das sollte man unbedingt noch unter Kontrolle bringen.

SK: Wie kann man ihnen helfen, wie unter die Arme greifen?

Grimm: Es ist eine große Unterstützung, dass wir mit „Borda“ einen Kooperationspartner in Managua haben, der mit dem Thema vertraut ist. Und Freiburg möchte auch weiterhin am Thema Wasser dran bleiben. Das hat geschichtliche Hintergründe und ist außerdem sehr wichtig für Wiwili und seine Bewohner.

SK: Sie leben hier eine längere Zeit in ärmlichsten Verhältnissen. Kommen sie zu recht?

Grimm: Ich komme hier sehr gut zurecht. Wenn man verstanden hat, wie die Menschen hier ticken, ist das kein Thema mehr. Die Menschen hier wachsen ganz anders auf als in Freiburg. Hier geht es um das reale Leben und nicht um Luxusprobleme. Man lernt hier früh, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem bin ich nicht zum ersten Mal in Nicaragua. Bin also mit der Mentalität vertraut.

SK: Wiwili ist Partnerstadt von Freiburg. Wie wichtig finden Sie diese Zusammenarbeit?

Grimm: Die Partnerschaft ist für Wiwili sehr wichtig. Ich merke das auch. In den Straßen gehen die Menschen ganz anders auf einen zu, als es bei den Amerikanern der Fall ist. Man wird offen empfangen und freut sich über den kulturellen Austausch. Sie schätzen unsere Arbeit und die Freiburger an sich. Das ist ein tolles Gefühl.

SK: Wie sehr prägt Sie die Zeit hier?

Grimm: Gerade in meiner Denkweise werde ich sehr geprägt. Ich habe gelernt, nicht alles zu erwarten, was für mich selbstverständlich war. Dazu kommt, dass man in Deutschland ganz anders aufwächst. Neulich hat mich ein kleines Kind aus Wiwili schräg angesehen, weil ich nicht reiten kann. Denn Reiten könne ja wohl jeder. Das ist für die selbstverständlich. Die Gegebenheiten vor Ort sind eben nicht mit denen in Deutschland vergleichbar.

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