Weniger Auszubildende

Krise wirkt sich auch auf die Lehrstellen aus — Noch freie Plätze und neue Formate

Das Ausbildungsjahr ist gestartet — kein gewöhnliches. Es gibt coronabedingt einen Rückgang, aber noch offene Ausbildungsplätze.
Bild: Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V. / Darius Ramazani

Das neue Ausbildungsjahr ist gestartet — geprägt von Corona, wie alles in diesen Zeiten. Das bedeutet konkret: Weniger neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Die IHK Südlicher Oberrhein verzeichnet 3.474 (3.915 in 2019), die Handwerkskammer Freiburg 2.150 (2.287 in 2019) neue Lehrverträge. Finanzielle Einbußen, unsichere Zukunft, weniger Aufträge: Die Corona- Krise erschwert es vielen Ausbildungsbetrieben, weiterhin junge Menschen als Fachkräfte von morgen auszubilden. „Wir sehen den deutlichen Rückgang bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen mit Sorge“, sagt Baden-Württembergs Wirtschafts- und Arbeitsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. „Die Krise hat natürlich starke Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt. Gemeinsam mit den Partnern des Ausbildungsbündnisses haben wir deshalb schon im Frühjahr eine Task Force gegründet, um unseren Betrieben zur Seite zu stehen.“ Durch die bereits bestehenden und zum Teil kurzfristig ausgeweiteten Programme „Azubi transfer“ und „Azubi im Verbund“ biete das Wirtschaftsministerium den Unternehmen zudem direkte Hilfe. Auch das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ leiste einen Beitrag zur Sicherung des Ausbildungsengagements der Betriebe. Kleine und mittlere Unternehmen werden im Rahmen des Bundesprogramms bei gleich bleibendem Ausbildungsengagement mit 2.000 Euro pro Ausbildungsvertrag und bei erhöhtem Ausbildungsengagement mit 3.000 Euro pro zusätzlichem Ausbildungsvertrag gefördert. „Vor der Antragsstellung sollten Betriebe aber genau prüfen, ob sie antragsberechtigt sind“, mahnt Wolfram Seitz-Schüle, Geschäftsführer der Handwerkskammer Freiburg. „Grundsätzlich darf beispielsweise die Gesamtzahl der angebotenen Ausbildungsplätze nicht unterhalb des Durchschnitts der Vorjahre liegen!“ Die Maßnahmen sind an unterschiedlichste Voraussetzungen geknüpft und benötigen daher nach Ansicht der Handwerkskammer Freiburg eine genaue Beschäftigung mit der Materie. Die Kammer geht davon aus, dass insgesamt rund 500 der mehr als 15.300 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk nach den Kriterien des Bildungsministeriums antragsberechtigt sind. Seitz-Schüle sieht die Ausbildungsprämie und die weiteren Maßnahmen als kleine, aber wichtige Schritte in die richtige Richtung, um Ausbildungsbetriebe in der Krise zu unterstützen. „Ob die Ausbildungsprämie sich tatsächlich positiv auswirkt, lässt sich aktuell noch nicht sagen.“ Trotz Krise bilden Unternehmen im Land weiter aus: „Und es gibt nach wie vor eine große Zahl an unbesetzten Ausbildungsstellen und viele Betriebe, die bereit sind, Auszubildende auch in den kommenden Monaten noch einzustellen“, betont Hoffmeister-Kraut. Laut Arbeitsagentur standen Mitte August in Südbaden 12.577 unversorgte Bewerber noch 22.730 unbesetzten Ausbildungsplätzen gegenüber. „Die berufliche Ausbildung ist für die Wirtschaft Baden-Württembergs ein maßgeblicher Erfolgsfaktor, denn der Fachkräftemangel wird auch weiterhin eine zentrale Herausforderung für das Land sein“, so die Ministerin. Derzeit beschäftigt sich das Ausbildungsbündnis intensiv damit, wie die Nachvermittlungsbemühungen intensiviert werden können. Es gibt viele innovative Formate, vieles läuft digital, so die Kampagne des Landes „Gut ausgebildet“, auch bei IHK und Handwerkskammer finden sich viele Infos online. Auch der beliebte „Tag des Handwerks“ (19. September) findet trotz Corona statt — in diesem Jahr digital. In vielen kurzen Video-Clips sollen alle sehen können, was an einem Tag im Handwerk passiert — verteilt auf 24 Stunden eines Tages.

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