Bürgerumfrage FReiburg

Wie zufrieden ist Freiburg?

„Urban Gardening“, Sport, Wohnen, Nahverkehr: Die Ergebnisse der großen Bürgerumfrage

„Die Zufriedenheit der Freiburger ist sensationell hoch“, freute sich Oberbürgermeister Dieter Salomon am gestrigen Mittwoch. Gemeinsam mit Erstem Bürgermeister Otto Neideck sowie Thomas Willmann und Andreas Kern vom Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung (ABI) präsentierte er die Ergebnisse der Bürgerumfrage 2016.
Insgesamt beurteilen die Befragten ihre Lebensbedingungen sehr positiv (23 % „sehr gut“, 54 „ziemlich gut“). „Die Ergebnisse sind Motivation und Bestätigung, dass wir den richtigen Weg gehen“, so Salomon. Richtig scheint dieser Weg, glaubt man der Umfrage, beim Thema Verkehr zu sein. So gaben 87 Prozent an, mit der Erreichbarkeit der Innenstadt zufrieden zu sein. Mit dem öffentlichen Nahverkehr waren es 83 Prozent.
Von den befragten Themen am schlechtesten bewertet wurden einzelne Bildungs- und Betreuungs-Aspekte. So sind mit der Situation bei den Betreuungsplätzen für Drei- bis Sechsjährige nur 58 Prozent der Befragten zufrieden, mit Betreuungsplätzen für Schulkinder 56 und mit Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige 51 Prozent. „Hier bauen wir immer noch dem Bedarf hinterher“, sagt Salomon. Und Neideck ergänzt: „Die Familienversorgung ist nicht so gut weg gekommen, wie wir es erwartet haben. In den letzten Jahren haben wir enorm investiert, um das weiter auszubauen.“
Zwischen Anfang Juni und Mitte August 2016 hatte das ABI 5.993 Erhebungsbögen verschickt. Insgesamt 2.634 Fragebögen (44 Prozent) kamen ausgefüllt zurück. „Es ist mit 15 Seiten und 61 Fragen der umfangreichste Fragebogen, den wir bisher hatten“, betont Willmann. Bereits seit 1999 unternimmt das ABI etwa alle zwei Jahre solch eine repräsentative Bürgerumfrage. Die Bereiche „Leben in Freiburg“, „Leben im Wohngebiet“, „Wohnraumversorgung“, „Bürgerschaftliches Engagement“, „Lebenssituation und Lebensstil“ sowie „Städtische Finanzen“ wurden abgefragt. Neu in 2016 waren die Themenbereiche „Grün- und Freiräume“, „Sportangebote“ und „Weiterbildung“. Beim Thema Gartennutzung in der Stadt sei ein deutliches Interesse am „Urban Gardening“ (42,2 %) feststellbar, so Kern, während sich die klassische „vereinsgebundene Kleingartenparzelle mit Laube“ nur 20 Prozent der Befragten wünschen. Geschlecht, Migrationshintergrund und Bildungsgrad spielten bei der Wahl des Sports eine Rolle. So bevorzugen beispielsweise 48 % der Deutschen ohne Migrationshintergrund Ausdauersport, während der Anteil bei Ausländern (28 %) geringer ist. Eine besondere Affinität zum Ausdauersport weisen zudem „Berufstätige mit hohem Bildungsgrad“ (62%) auf.
Die Bürgerumfrage beinhaltet darüber hinaus eine repräsentative Umfrage für einzelne Stadtbezirke. Erwartungsgemäß fühlen sich die Bewohner der Mittelwiehre und Waldsee am wohlsten, gefolgt von Oberwiehre, Ebnet und Oberau. Am wenigsten wohl fühlen sich die Bewohner in Weingarten, Brühl, Haslach-Egerten und Haslach-Haid. Interessant sei aber, so Neideck, „dass die Hälfte angab, ‘sehr gerne’ in ihrem Wohngebiet zu wohnen. Nur drei Prozent wohnen ‘nicht gerne’ in ihrem jetzigen Wohngebiet.“
In diesem Zusammenhang weist Andreas Kern auf ein so genanntes „Zufriedenheitsparadoxon“ hin. Aufgrund steigender Mieten und Kaufpreise für Wohnungen scheint vor allem die recht hohe und stetig steigende Zufriedenheit bei den Kosten der Wohnung paradox.
„Wir machen keine Bürgerumfrage, um zu sagen, was wir für eine tolle Stadt sind“, meint Otto Neideck“, „sondern auch um Schwachstellen aufzuzeigen und uns in diesen Bereichen, aber auch in denen, die positiv berwertet werden, weiter zu verbessern.“
Ausreißer im Ranking ist übrigens die „räumliche Nähe zu Verwandten“ — ein Aspekt, der nicht in erster Linie von einer Stadtverwaltung zu lösen ist. Hier stehen 47 Prozent Zufriedenheit dem Höchstwert von 22 Prozent Unzufriedenheit gegenüber...
Katrin Hauf

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