Zufriedene Gesichter

Auf den SC Freiburg wartet nun eine weitere historische Spielzeit

Am Ende waren sie vor allem froh, dass sie diese denkwürdige Saison alle gesund zu Ende gebracht hatten. Aber auch sportlich kann der SC Freiburg mit der Bundesliga- Spielzeit 2019/20 überaus zufrieden sein: Mit einem glatten 4:0 über den FC Schalke 04 festigte der Sport-Club Platz 8, hat mehr Spiele gewonnen als verloren und außerdem ein positives Torverhältnis. Der nur einen Punkt entfernte siebte Rang hätte zwar zur Qualifikation für das internationale Geschäft gereicht, aber stressfreier und mit weniger Unbilden in Zeiten von Corona versehen ist diese Platzierung allemal. Die meisten aus dem SC-Tross inklusive Trainer Christian Streich gehen jetzt erst einmal in den Urlaub. So oder so folgt nach der einen historischen Spielzeit die nächste – nicht nur, weil auch die zumindest anfangs von der Pandemie geprägt sein wird, sondern auch, weil für den Sport-Club der Umzug ins neue Stadion ansteht. Ab wann dort der Ball rollen wird, ist derzeit noch unsicher. Im Herbst sollen die Bauarbeiten am Wolfswinkel endgültig abgeschlossen sein - zuvor dürfte es auch ohnehin keinen Fußball mit Publikumsbeteiligung geben. Geplant ist, erst dann endgültig überzusiedeln, wenn Corona- bedingt wieder Fans zugelassen sein werden. Die neue Spielstätte (Kosten inklusive Infrastruktur: ca. 131 Millionen Euro), die Baubürgermeister Martin Haag als einen „Sprung vom 19. ins 21. Jahrhundert“ bezeichnete, kann also ohne akuten Zeitstress fertiggestellt werden. Fest steht: Künftig werden hier 35.000 Zuschauer die Bundesliga-Profis anfeuern können. Gestern hat der Deutsche Fußball- Bund (DFB) die Erst- und Zweitliga- Vereine um ihre Einschätzung zu Planungsvarianten gebeten, um einen Rahmenterminkalender zu erstellen. Derzeit sieht es so aus, als würde die Bundesliga am 18. September in die Spielzeit 2020/21 starten. Alles verschiebt sich also - auch die Wechselfrist, die nicht wie üblich am 31. August, sondern erst fünf Wochen später am 5. Oktober endet. SC-Trainer Christian Streich ist darüber nicht glücklich: „Wir hätten gerne frühzeitig klare Verhältnisse, auch wenn das jetzt eine besondere Lage ist.“ Wie in jeder Saisonpause sind auch in dieser einige seiner Spieler heftig umworben: Alexander Schwolow, Luca Waldschmidt (am Samstag Doppel-Torschütze) und Robin Koch sind die drei häufigsten Namen, von denen SC-Anhänger befürchten, sie nächste Spielzeit nicht mehr im Freiburger Trikot zu sehen. Alleine mit wem Koch alles in Verbindung gebracht wird (zu Recht oder zu Unrecht), macht dem SC schon alle Ehre: Tottenham Hotspurs, SSC Neapel, Borussia Dortmund und Benfica Lissabon. Bei zwei anderen Akteuren steht bereits fest, dass sie gehen, aber das ist eher verschmerzbar: Pascal Stenzel (VfB Stuttgart) und Jerome Gondorf (Karlsruher SC) waren nämlich schon bisher an die jeweiligen Clubs ausgeliehen, jetzt haben sie feste Verträge bei den Vereinen unterzeichnet. Wichtig wird für den Sport-Club so oder so sein, den Kader auch in der Breite zusammenzuhalten, denn berechenbar dürfte die nächste Spielzeit weniger denn je werden. An einen bestimmten Aderlass, gleichzeitig aber auch an willkommene Transfererlöse, haben sich Streich und Sportvorstand Jochen Saier schon fast gewöhnt. Noch etwas anderes scheint gleich zu bleiben: Die enorm hohe Popularität des Sport-Clubs auch weit über sein Kerngebiet hinaus. Auch wenn es mitunter fast etwas des Guten zu viel sein mag, wie die Adelung der „New York Times“ in Richtung Christian Streich („Fußball- Philosoph“) verdeutlichte, so ist der Beliebtheitsgrad der Dreisam- Kicker in Zeiten des geplanten Umzugs auch ein wichtiger Marketing- Faktor. Neuestes Beispiel: Die Leserinnen und Leser der ZEIT kürten den SC Freiburg zum „Meister der Herzchen“. An jedem Spieltag konnte man Sympathiepunkte verteilen. Endergebnis: Der SC liegt zum Abschluss der Saison vor Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach an der Spitze. So kann es bleiben.

0 0
Feed