Bildungsbericht Freiburg

Zuwanderung und Inklusion

Herausforderungen, Handlungsbedarf und Erfolge: Vierter Freiburger Bildungsbericht veröffentlicht

In Freiburg beherrscht jedes dritte Kind bei der Einschulung die Sprache nicht altersgerecht. Der Anteil der fristgerecht eingeschulten Kinder hat in den letzten fünf Jahren zwar zugenommen, die der zurückgestellten Jungen stieg aber zugleich. Die Quote der ausländischen Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss war in Freiburg in den letzten sechs Jahren stets höher als der Landesdurchschnitt.
Das sind nur einige der Probleme, die der vierte Bildungsbericht aufzeigt, den die Stadt Freiburg am gestrigen Mittwoch präsentierte. Als eine der bundesweit ersten Kommunen hat Freiburg 2008 begonnen, die Bildungssituation in der Stadt systematisch zu erfassen. Nun liegt der vierte, 260 Seiten starke Bildungsbericht vor.
Professor Hans Döbert, der federführend am Bildungsbericht gearbeitet hat, stellt die konkreten Herausforderungen dar: „Es gibt geschlechts- und migrationsspezifische Disparitäten. Letztere werden sich wohl noch verschärfen durch die große Zahl neu zugewanderter Jugendlicher.“
Bereits im letzten Bericht sei die mangelnde Beherrschung der Sprache bei Erstklässlern Thema gewesen. „Trotz vielfältiger Maßnahmen hat sich die Situation kaum verändert“, betont Döbert. Die Ursache liege in der Zunahme ausländischer Kinder sowie der zunehmenden Einschulung zugewanderter Kinder. Eine Herausforderung, die Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik angehen möchte. „Wir müssen die Sprachförderung ausbauen und damit schon in den KiTas beginnen.“ Keine Freiburg-spezifische Herausforderung — ebenso wenig wie das Thema, dass Jungen zu Bildungs-Verlierern werden könnten. Auch hier sieht die Schulbürgermeisterin Handlungsbedarf.
Freiburg-spezifisch und auffällig im aktuellen Bildungsbericht sei, dass in Freiburg vor allem 8. und 10.-Klässler an Realschulen verhältnismäßig oft die Klasse wiederholten. Ein weiteres  Problem, das die Stadt gemeinsam mit IHK und Handwerkskammer angehen möchte, ist das Thema Abbrüche in der Ausbildung. „Jedes vierte duale Ausbildungsverhältnis wird aufgelöst“, betont Döbert.
Das berufliche Schulwesen verdiene zudem besondere Aufmerksamkeit, wie Schulpräsident Thomas Hecht erklärt: „Diese übernehmen in der Integrationsarbeit eine Vielzahl von Aufgaben, vom Erwerb der Sprache und sozialer Normen bis zur Vermittlung in die Berufswelt. Diesen Einsatz gilt es zu stärken.“
Dass das bildungspolitische Engagement der letzten Jahre Wirkung zeige, unterstreichen zahlreiche Stärken, die der Bericht nennt, betont Oberbürgermeister Dieter Salomon die Wichtigkeit des Bildungsberichtes. „Wenn man Schwächen benennt, kann man handeln.“ Und es gibt durchaus Positives zu vermelden. So liegt die Zahl der Plätze in Krippen, Kindergärten oder der Tagespflege für die unter Dreijährigen in Freiburg deutlich über dem Landesdurchschnitt.
Der Trend zum Übergang auf das Gymnasium nach der Grundschule hält in Freiburg weiter an und liegt nach wie vor zehn Prozent über dem Landesschnitt. Doch auch hier gibt es Unterschiede, wie Döbert aufzeigt. So weist der Stadtteil Waldsee mit 82,9 Prozent die höchste Übergangsquote auf, Landwasser mit 36,8 Prozent hingegen eine eher geringe.
Besonders positiv sieht Gerda Stuchlik die Entwicklung in der Inklusion, die im letzten Bildungsbericht von 2013 noch kritisiert wurde. „Da gehen wir in kleinen Schritten, aber zuverlässig voran.“ Absichtlich habe man sich keine Frist gesetzt, sondern setze bewusst auf gute Qualifizierung und stetigen Ausbau.
Außerdem haben die Freiburger Schulen in den letzten Jahren rund 1.200 neu zugewanderte Kinder und Jugendliche aufgenommen. Die meisten kamen in Klassen unter, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.
„Eine schwierige Situation, die wir ganz gut gelöst haben“, meint die Schulbürgermeisterin. Eine Herausforderung, die Freiburg auch die nächsten Jahre beschäftigen wird. Katrin Hauf

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